Nähen für den Schutz

„Momentaufnahme“: Regina Kieninger, Designerin

Seit heute, 30.3.2020, ist es also fix: wir alle, die wir einkaufen gehen müssen, werden künftig zur Sicherheit eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen. Das heißt, sowohl solche Mund-Nasen-Masken, als auch die Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP2 und FFP3 für das Gesundheitspersonal im Land werden mehr denn je dringend benötigt.
Vor rund einer Woche haben sich ja schon mehrere Firmen in Vorarlberg zusammengeschlossen, um gemeinsam Masken für Spitäler zu produzieren. Unterstützt werden sie dabei von Designerinnen und Designern sowie Schneiderinnen und Schneidern aus dem ganzen Land. Eine davon ist Regina Kieninger. Die Designerin hat nun sogar die Koordination der Nähenden übernommen. Trotz ihrer übervollen To-Do-Liste hat sie sich die Zeit genommen und uns eine „Momentaufnahme“ aus ihrer Schneiderei „Adelmut“ in Lochau geschickt:

Schutzmasken made in Vorarlberg; Foto: ©Regina Kieninger

Liebe Regina – wie geht es dir mit deinem neuen Job?

Ich telefoniere täglich mit mindestens 50 bis 100 Menschen. Und jeder hat ein anderes Anliegen. Es ist so krass, dass ich täglich eine Story für einen Blog zur Verfügung stellen könnte (die Zeit fehlt mir jedoch – vielleicht schreibe ich danach ein Buch – schmunzel). Und es menschelt: angefangen von „Gottseidank“, liebevoller Wertschätzung, Verständnis, Geduld, bis hin zu Ängsten, Unverständnis und Ungeduld.

Wie bist du zu dem Projekt, Schutzmasken aus dem Land fürs Land zu produzieren, gekommen?

Das war schon richtig crazy und wäre eine längere Story wert. Vorerst nur kurz: Dadurch, dass ich sehr flexibel bin, wendig und schnell und über ein riesengroßes Fachwissen verfüge, hat mich Textilunternehmer Günter Grabher von der „Grabher Group“ gefragt, ob ich das alles managen würde. Wir haben das Projekt am Samstag, 21.3.2020 gestartet. Am Mittwoch darauf konnten wir schon die ersten Betriebe mit Ware beliefern.

Was genau ist deine Aufgabe?

Ich koordiniere die Produktion in Vorarlberg, also alle Betriebe und Einzelunternehmen, die die Masken nähen. Das sind schon an die 100 Kontakte. Es sind das gesamte Mode- und Bekleidungsgewerbe inklusive Wäscheerzeuger, teils auch Raumausstatter mobilisiert worden. Also von der einzelnen Näherin über Klein- UnternehmerInnen, KleidermacherInnen  bis hin zu größeren Betrieben ist alles dabei.
Ich arbeite dabei mit meinem Auftraggeber Günter Grabher zusammen (sämtliche Betriebe wie Getzner, Stickerei Hämmerle, Bandex sowie die Logistik werden von der Firma Günter Grabher Textilveredelung koordiniert.).
Ich habe die ersten Masken genäht, jetzt koordiniere ich fast nur noch. Ich habe genau null Zeit übrig fürs Nähen, meine Mitarbeiterin (meine „Nähperle“) näht die gesamten Muster-Masken, die als Vorlage dienen sowie die Masken für das Labor, für die Zertifizierung usw…

Regina Kieninger; Foto: © Patrick Säly

Wie kann man eine solche Zusammenarbeit schaffen?

Da es sich hier um eine außergewöhnliche Situation handelt und wir unter immensem Zeitdruck stehen, benötigt es schon einen enormen Einsatz. Und vor allem viel Verständnis und Geduld. Jeder Betrieb, jede Schneiderin bekommt – je nach Größe – ein Startpaket mit Material für 400 Stück. Neben sämtlichen Materialien befindet sich auch eine Anleitung darin. Sobald sie mit der Produktion fertig sind und weiter produzieren können und wollen, schicken wir ein neues Paket. Es steckt dahinter ein außerordentliches Zusammenspiel zwischen Materialproduzenten, Textilveredelung, Stickern, den Schneidereien und der Logistik.

Auch für mich als Koordinatorin ist das eine riesige Herausforderung – jeder Betrieb ist anders aufgestellt, tickt anders. Es menschelt (huiiiii eine krasse Zeit). Trotz dieses wirklich außergewöhnlichen Einsatzes macht es mich glücklich, mich hier für die ganze Branche zu engagieren. Immerhin tragen wir dazu bei, dass das Gesundheitssystem aufrecht erhalten bleiben kann.

So wie wir dich kennen, gibt es ja vermutlich nichts, was du noch nicht gemacht hast ;-) – aber Masken nähen dürfte auch für dich etwas Neues sein, oder?

Ja, das habe ich zuvor noch nie gemacht! Da ich eine Tüftlerin und Macherin bin, scheue ich mich vor nichts.

Fachleute (beispielsweise wie du im Textilbereich) werden derzeit mehr denn je gebraucht. Kann die Krise auch eine Chance für eine ganze Branche sein?

Ja! Das Handwerk wird im regionalen Bereich wieder gebraucht und bekommt dadurch endlich wieder ein anders Image.

Vielen Dank und alles Gute!

1 Kommentar
  1. Elke Loretter-Rogge
    Elke Loretter-Rogge sagte:

    Ich bin begeistert von dem ganzen Projekt… Auch selbst im Handwerk tätig, weiss ich wie wichtig und genial dieser Auftrag für alle Beteiligten ist…
    Natürlich kenne Ich Adelmut und ich bin sehr glücklich und unheimlich stolz auf Regina…
    Eine tolle Frau… Mutig, stark, ehrgeizig und liebenswert… Eine grandiose Frau und
    Beste Freundin….. Ich Freu mich so sehr und bin glücklich Dich in meinem Leben getroffen zu haben.
    Ich wünsche dir alle Liebe
    Herzlichst
    Elke

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