Anna Blume

Diplom-Yogalehrerin und Weltenbummlerin

Die Yogalehrerin ist ein wahres Energiebündel, das in Uruguay seine Kindheit verbracht hat, deutsche und holländische Vorfahren hat und als junges Mädchen seine bunte und impulsive Heimat in Montevideo zurücklassen musste. Anna Blume hat ihr neues Zuhause – Vorarlberg – inzwischen längst lieb gewonnen. Ihre fröhliche und offene Art aus ihren Kindertagen hat sie sich bewahrt.

Wir haben Anna Blume bereits in ihrem Yoga-Unterricht erlebt. Sie ist ein spontaner Mensch, der sich bei Entscheidungen gerne vom Bauchgefühl leiten lässt. Anna Blume ist Kosmopolitin, sehr weltoffen und gerne auf Reisen. Auf der anderen Seite beschreibt sie sich aber auch als „sehr häuslich und familiär“, ihre drei fast erwachsenen Kinder hat sie immer noch sehr gerne um sich und bekocht sie, ihre Söhne haben sie erst kürzlich wieder einmal in den Urlaub begleitet.

Kindheit in Uruguay

Viel turbulenter, jedenfalls nicht ganz so geordnet und konventionell, ist ihre eigene Kinder- und Jugendzeit verlaufen. „Mein Vater kommt ursprünglich aus Hamburg – daher mein Nachname: Blume. Es ist also kein Künstlername, wie die meisten Leute annehmen“, erzählt sie, „meine Mutter, die gestorben ist als ich noch ein Kind war, war eine Uruguayerin mit holländischen Wurzeln“. Anna Blume ist in Montevideo aufgewachsen, mitten in der Stadt. „Montevideo ist nicht sehr groß, ich bin dort auf eine deutsche Schule gegangen, hab die deutsche Sprache also immer schon gehört. Auch mein Großvater hat natürlich deutsch gesprochen. Aber meine eigentliche Muttersprache ist spanisch.“ Anna Blume erinnert sich an eine unbeschwerte Kindheit, „meine beste Freundin wohnte im gleichen Ort, hatte Pferde, und wir sind jeden Tag reiten gegangen. Es waren Kindertage wie in den Geschichten von Pippi Langstrumpf. Das Land dort ist sehr weit, und das prägt natürlich auch die Menschen, die dort leben.“

Abschied von Montevideo

Anna Blume musste Uruguay als Zwölfjährige verlassen. Ihr Vater zog aus beruflichen Gründen nach Vorarlberg um. „Mein Vater war in der Sportbranche und geschäftlich viel unterwegs.“ Anna Blume landetet zunächst in Höchst. „Ich kannte Österreich schon von den Reisen, die mein Vater mit uns unternommen hatte. Ich freute mich auf den Schnee und war ganz begeistert von der Idee, nach Vorarlberg zu ziehen. Mit zwölf denkst du eben nicht weiter.“ Die Realität stellte sich dann als Rieseneinschnitt für das Mädchen Anna heraus, „es war ein Trauma“, erzählt sie heute. „Ich musste meine Freunde zurücklassen, mein soziales Umfeld, ich wurde entwurzelt. Ja, es war eine Entwurzelung. Ich habe dann geträumt, dass ich mit dem Fahrrad zurück nach Montevideo fahre. Nur zurück.“

In der neuen Welt

Die ersten Jahre in Vorarlberg waren hart für Anna Blume, „ich habe mir schwer getan, Freunde zu finden. Ich war natürlich ganz anders im Charakter wie die Mädchen hier. Ich war so offen und impulsiv, so sind die Leute in Uruguay! Und obwohl ich europäisches Blut habe, tat ich mir zunächst sehr schwer mit den Mädchen in Vorarlberg. Das hat sich aber bald gelegt und ich habe hier viele wertvolle Freundschaften geknüpft.“
Anna Blume hat zu Beginn viele Vorarlberger als sehr distanziert und vorsichtig erlebt. „Ich kann mich erinnern, wie ein Geschäftsfreund meines Vaters mir am Flughafen nach unserer Ankunft in Zürich die Hand hingestreckt hat und gesagt hat: Grüß Gott!“ In Uruguay war sie gewohnt, dass sich die Menschen mit einem Kuss begrüßen, „immer Umarmung und Kuss … das war ein Erlebnis, das ich bis heute in mir trage. Ich habe gemerkt, dass ich mich mehr zurück nehmen muss, um mich anzupassen. Gewisse Sachen in diesem Bereich habe ich mir antrainiert. Es war schwierig, und ich habe mich anders gefühlt. Es war eben eine fremde Welt.“

Versöhnende Naturlandschaft

„Ich denke, es war vor allem auch die Landschaft, die Natur in Vorarlberg, die mich aus dieser schwierigen Situation gerettet hat, der See und die Berge, dieses Grün … ich war einfach ganz viel draußen“, sagt Anna Blume heute. In den Schulschiwochen in den verschneiten Bergen hat sie sich besonders wohl gefühlt, und den Bodensee hat sie von Anfang an geliebt. Die Naturlandschaft sei es auch gewesen, die ihrem Vater so imponiert hat. Er hatte berufsbedingt nämlich die Wahl zwischen Amerika, England und Vorarlberg, „und es war die Landschaft, die ihn schlussendlich nach Vorarlberg gezogen hatte“. Vorübergehend.
Denn als Anna 17 Jahre alt war, ist ihre Familie nach Barcelona ausgewandert – wieder gaben berufliche Veränderungen des Vaters den Ausschlag. Erneut hatte sie mit einer großen Umstellung zu kämpfen.

Zugticket in die Freiheit

Anna Blume wurde also ein weiteres Mal aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen, das sie sich so mühsam wieder aufgebaut hatte. „Ich wollte nicht nochmal von vorne anfangen. Dazu kam, dass ich gerade in einer besonders rebellischen Phase steckte. Ich habe Barcelona bald den Rücken gekehrt, weil ich einfach zurück nach Vorarlberg wollte“, erzählt sie. Mit dem Geld, das sie sich während eines Sommers bei den „Bregenzer Festspielen“ verdient hatte, hat sie sich dann im Alter von 18 Jahren ein Zugticket gekauft – einfache Fahrt: Barcelona – Vorarlberg.

Bewegung als Kraftquelle

„Yoga hat mich immer schon angezogen“, schwärmt Anna Blume, „ich sehe meine Tante hauptsächlich im Kopfstand vor mir, Yoga war einfach ein Teil von mir – wie Bewegung überhaupt. Ich hab als Kind Kunstturnen gelernt und rhythmische Sportgymnastik, und ich habe getanzt. Meine Mutter war auch Tänzerin, Balletttänzerin, also wuchs ich damit auf, Tanz war auch immer ein großes Thema in meinem Leben“. Anna Blume hat sich neben ihrer Yoga-Ausbildung auch mit Bioenergetik und Reiki beschäftigt, was ihr viel Kraft gegeben hat. Im Alter von 21 Jahren ist sie dann zum ersten Mal Mutter geworden – „ich war und bin eine sehr glückliche Mama“, sagt Anna Blume. Dennoch hat mit den Jahren dann „irgendwas gefehlt“ und mit Anfang 30 verfestigte sich der Wunsch, sich mit Yoga-Unterricht selbständig zu machen.

Yogablume

Anna Blume ist in der glücklichen Lage, einige tolle Frauen um sich zu haben, die sie dazu ermutigt haben, ihre Ideen umzusetzen. „Trau dich! – haben sie gesagt und mir dabei auch geholfen.“ Heute ist die Ende-40-Jährige selbständige Diplomyogalehrerin – auf ihrer Internetseite „Yogablume“ hält sie Interessierte über ihre aktuellen Stunden im Theresienheim in Lustenau und über Fortbildungen auf dem Laufenden. Anna Blume bietet zudem gemeinsam mit ihrer Freundin Birgit Holzer jährliche Yogareisen an – etwa nach Ibiza und Italien. Diese Reisen sind mittlerweile ein wichtiges und fixes Standbein geworden, das die Yogalehrerin mit viel Herzblut organisiert.

Für ihre Yogastunden hat Anna Blume einen eigenen Raumduft kreiert, „in einem Seminar habe ich gelernt, so etwas herzustellen. Eine Freundin hat mir dann geraten, ich soll die Flaschen doch etikettieren und verkaufen. Ich hatte diesen Gedanken schon zwei, drei Jahre im Kopf, aber umgesetzt habe ich es dann erst später – das ist eben eine Seite in mir, die ich aus Uruguay mitgebracht habe: Man verschiebt es erst mal auf morgen. Ich genieße dann lieber zuerst das Leben, und der deutsche Teil in mir sagt dann irgendwann: mach es jetzt.“

Yoga isch halt so ummaliega

„Bei uns in Vorarlberg sind es hauptsächlich Frauen, die den Weg zum Yoga finden, während in den Großstädten wie München und Zürich bereits die Hälfte der Teilnehmer Männer sind – weil es einfach gut tut. Hier im Land ist es noch so in den Köpfen verankert, dass Yoga „halt irgendwie so umaliega ist““, lacht Anna Blume „und hier zählt halt schon noch, „was d‘Lüt“ sagen.“ Anna Blume hat oft erlebt, dass Frauen es hie und da geschafft haben, ihre Männer zum Yoga mitzunehmen, „die waren dann einmal da und danach nie mehr gesehen. Man sieht es den Männern an, ob sie eine Stunde besuchten mussten oder freiwillig kommen. Einmal marschierte einer ein mit den Worten: „Ma heat mi g‘schickt“. Auch er ist danach natürlich nie mehr gekommen…“ Langsam aber sicher beobachte Anna Blume aber eine neue, junge Szene, „und die traut sich. Es kommen vereinzelnd auch Männer, die zugeben, dass es ihnen gut tut“.

„Yoga ist nämlich nicht nur für den Körper, man muss bestimmte Gedanken danach auch mit Hause nehmen – Yoga ist eben auch für die Seele. Und das hat mir auf meinem Weg bis hierher sehr geholfen. Es war für mich nicht immer leicht, jetzt allerdings fühlt es sich sehr, sehr gut an“.

Verfasst im März 2017

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