Katrin Spiegel

Singer-Songwriterin, Künstlerin und Managerin

Noch bevor sie sprechen konnte, konnte sie singen. Und noch heute geht Katrin Spiegel lieber unkonventionelle Wege. Einer davon hat die gebürtige Dornbirnerin nach Wien geführt, wo sie inzwischen lebt und arbeitet – und zwar als Singer-Songwriterin, Künstlerin und diplomierte Musik-, Event- und Kulturmanagerin.

Katrin Spiegel ist damit dort angelangt, wo sie bereits als kleines Mädchen hinwollte: „Meine Eltern erzählen mir heute noch, dass ich schon als Kleinkind sämtliche Kinderlieder, die meine Tante und Oma mit mir gesungen haben, mitsingen konnte. Bereits damals stand für mich fest: Ich werde einmal Sängerin und Schauspielerin. Und Hexe“, lacht sie. Und tatsächlich liegt heute ein ganz besonderer Zauber in ihren selbst geschriebenen Songs.

Introvertierte Rebellin

Katrin Spiegel ist als Gastronomie-Kind aufgewachsen. Ihre Eltern haben den Traditionsgasthof „Rose“ in Dornbirn-Haltlerdorf geführt, den es erst seit kurzem nicht mehr gibt. „Ich war eigentlich immer anders“, meint sie rückblickend, „seit ich eingeschult wurde, habe ich mich meist eher als Alien empfunden, als dass ich dazugehörte“. Noch heute komme immer wieder einmal die introvertierte Rebellin in ihr hervor, „ich brauche extrem viel Alleinzeit und Ruhe“. Schon als Schülerin sei sie „das schüchterne Alleingänger-Mauerblümchen gewesen, das sich lieber hinter Büchern und Lexika vergraben hat. Das hat sich dann auch durchgezogen bis zu meinem Schulabbruch mit 16. Ich war kein einfacher Teenager“, gesteht sie sich heute selber ein, „und ich passte einfach schon damals nicht nach Vorarlberg. Ich wollte immer weg.“ Katrin Spiegel hat zwar in den vergangenen Jahren Vorarlberg als Ort schätzen gelernt, an dem man wieder ein wenig „runterkommen“ kann, dennoch musste sie für sich feststellen: „Im kulturellen Bereich zu arbeiten und sich etwas aufzubauen, wenn man jung ist, ist hier im Land fast unmöglich. Schade eigentlich, denn wir haben in Vorarlberg so viele talentierte Künstler und Musiker, die Aufmerksamkeit verdienen“.

Mit gefälschtem Geburtsdatum zum TV-Casting

Noch als Teenager ahnte sie, dass Musik wohl ein großer Teil ihres Lebens sein würde, „eine Freundin schleppte mich damals zum Casting der ersten Staffel der ORF-Fernsehshow Starmania. Sie hat gemeint, wenn ich da jetzt nicht vorsinge, spricht sie nicht mehr mit mir“. Katrin Spiegel war zu dem Zeitpunkt erst 15 Jahre alt, zu jung also für eine offizielle Teilnahme. Sie hatte bei der Anmeldung kurzerhand das Geburtsdatum gefälscht und vorgesungen. Tatsächlich stieg sie in die nächste Runde auf – da musste sie dann doch vor der Fernsehshow ihren Pass vorzeigen. Dann war Schluss. „Gott sei Dank! Ich mag Castingshows gar nicht!“

Wissbegierige Autodidaktin

Allerdings sollte dieses Erlebnis ein richtiger Motivationsschub für die junge Katrin Spiegel werden, „mein Vater hat mich dann im Jazzseminar bei Ina Wolf zum Gesangsunterricht angemeldet. Dass ich auf die Bühne will, war mir damals noch nicht so bewusst. Ich wollte einfach nur singen“. Und Katrin Spiegel wollte noch viel mehr und hat sich nach ihrem Schulabbruch in den meisten kreativen Sparten ausprobiert. „Angefangen von Grafik über Fotografie, Schauspiel, Bildnerische Kunst. Einfach alles, was ging. Wenn es um Lernen und Erleben geht, bin ich wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Autodidaktin.“ Noch bevor sie 18 Jahre alt war, hat sie einen Karaoke-Wettbewerb in einer Bar gewonnen. „Ich durfte daraufhin im „Spielboden“ in Dornbirn eine CD aufnehmen. Ich war total unvorbereitet, die CD ist furchtbar“, lacht sie, „Intonation gleich null. Aber immer wieder lustig zum Anhören. Und auch interessant: man hört seine eigenen Fortschritte.“ Zu dieser Zeit sang Katrin Spiegel in diversen Bands und besuchte Workshops im „Jazzseminar“ in Dornbirn. Dort begann sie sich nach und nach – von ihrer Leidenschaft angetrieben, tiefer in die Musikmaterie einzuarbeiten. Es folgten weitere Kurse zu Stimm- und Gehörbildung, Harmonielehre, Komposition, Songwriting, Schauspiel.

Im Alter von 18 Jahren verlor Katrin Spiegel dann plötzlich die Lust zu singen. Heute führt sie das auf das „auf-sie-Einreden“ ihrer Lehrer und Zuhörer zurück, sie solle doch aus ihrem Talent, diesem ungeschliffenen Diamanten endlich „etwas machen“. „Eigentlich waren es eh schöne Komplimente, aber es war mir zu viel. Ich wollte mein Einkommen nicht von der Musik abhängig machen, weil ich Angst hatte, die Freude daran zu verlieren.“ Ein Jahr später durfte sie mit einer Band bei einem Konzert bei der „World Gymnaestrada“ in Dornbirn auftreten. Ein weiteres Schlüsselerlebnis, ein weiterer Motivationsschub, der Katrin Spiegel dazu antrieb, sich wieder beim Jazzseminar einzuschreiben. „Ich begann, mich intensiv auf die Musikaufnahmeprüfungen vorzubereiten – bei Rolf Aberer, Waltraud Köttler, Peter Bader, Alex Bader und Charlie Bonat. Als ich dann, zwei Jahre später, endlich die Prüfungen bestanden hatte, erhielt ich die Zusage für drei verschiedene Musik-Universitäten für den Bereich Jazzgesang.
Ich entschied mich allerdings kurzfristig um und entschloss mich für ein Musik- und Eventmanagementstudium, um mich später einmal selber managen zu können.“ Katrin Spiegel war zu der Zeit an einem Punkt angelangt, an dem sie das Gefühl hatte, endlich die eigene Stimme gefunden zu haben, “ – dank Waltraud Köttler. Und ich hatte Angst, dass ich mir diese durch zu viel Techniktraining und Jazzerei wieder abtrainiere. Eh Blödsinn! – aber das war mein Gefühl…“. Während ihres Musik- und Eventmanagementstudiums in München hat sich Katrin Spiegel in ihrer Diplomarbeit bereits theoretisch mit ihrem Aufbau als Künstlerin und der eigenen Vermarktung beschäftigt. „Eigentlich hätte ich es danach nur noch umsetzen müssen“, räumt die heute Dreißigjährige selbstkritisch ein, „jetzt, sechs Jahre danach, mach ich das endlich auch.“

Künstlerisches Engagement

Allerdings war Katrin Spiegel auch in besagten sechs Jahren künstlerisch äußerst engagiert – wenn auch im Dienste anderer Künstler und weniger für sich selbst: Nach Abschluss ihres Studiums rief sie – nach einem längeren Aufenthalt in den USA – im Jahr 2012 die erste „Open Mic Night“ in Vorarlberg ins Leben. „Die Veranstaltung etablierte sich und wuchs schnell über die Kapazität der Location in Dornbirn hinaus.“ Bis heute wird die Veranstaltung, bei der allen Künstlern die Möglichkeit geboten wird, sich auf einer Bühne zu präsentieren, unter anderem im „Theater im Kopfbau“ in Dornbirn durchgeführt angeboten. Ein Jahr später gründete Katrin Spiegel ihr Projekt „Nude Management“, mit dem sie in den vergangenen Jahren überwiegend im Bereich Artist/Business Development und Management tätig war (inzwischen betreut, berät und vernetzt sie mit „Nude“ Künstler diverser Sparten und bietet Workshops für deren Selbstmanagement an). Für ihre eigenen künstlerischen Tätigkeiten allerdings räumte sie in diesen Jahren nur wenig Zeit ein.
Vor drei Jahren ist Katrin Spiegel dann nach Wien gezogen. „Ich wollte weg und wusste nicht wohin, also bin ich mit meiner damaligen Freundin, die von einem Tag auf den anderen nach Wien gezogen ist, mitgegangen. Und konnte mich in Wien ziemlich bald auch beruflich gut niederlassen.“ Katrin Spiegel hat Wien als guten Standort erlebt, um zu starten. „Hauptsache man startet. Wien bietet viele Locations und Möglichkeiten, sich auszuprobieren, um als Band zusammenwachsen zu können. Die Musiker halten eher zusammen, als dass sie sich gegeneinander aufspielen – das find ich sehr schön.“

Als größte persönliche Hürde, mit der sie sich manchmal selbst im Weg steht, sieht Katrin Spiegel ihre Unsicherheit an. „Ich schreibe seit ich zehn war, und habe selten meine Songs jemandem gezeigt. Einfach weil sie so – nackt sind.“ Dabei hat sie zwischendurch immer wieder auch als Model und Schauspielerin gearbeitet – „allerdings“, fügt Katrin Spiegel hinzu, „Modeln und Schauspielen ist für mich etwas komplett anderes, ich kann mich in andere Charaktere versetzen, ich bin dann nicht wirklich ich, nur einzelne Facetten. So fällt es mir auch leichter, in dieser Sparte extrovertierter zu sein. Mit der Musik – meinem anderen künstlerischen Ausdruck – ist es was anderes. Da bin ich nackt. Das bin ICH zu 100 Prozent. Da bin ich zuhause – was mich manchmal eben auch schüchtern werden lässt“. Als Katrin Spiegel dann langsam aber sicher unter Zeitdruck geriet, sich endlich eine Band zu suchen, war sie dann eben doch gezwungen, den Musikern ihre Demos zu schicken. „Meine Güte, habe ich gezittert! Aber das Feedback war eigentlich fast immer gut. Manchmal bin ich einfach sehr unsicher. Ich bin jedes Mal so dankbar und freue mich so sehr, wenn einer meiner Songs berührt, ankommt oder gefällt – oft kann ich es fast nicht glauben. Ich weiß, das klingt absurd. Das ist, glaube ich, eine Hürde über die ich immer wieder gehen muss“, sagt Katrin Spiegel ganz offen.
Als weitere „Hürde“ bezeichnet sie den Umstand, dass sie sich als Künstlerin selbst managt. Sie habe nun zwar das dafür nötige Knowhow, „aber ohne dass man Arbeit abgeben kann, ist das Ding kaum zu schaukeln“. Immerhin muss dann im Zeitplan Platz sein für die Musik, ganz klar, dann aber auch für die Musiker und Proben, das Schreiben, Komponieren und Arrangieren, für PR und Presse, Social-Media, Marketing, Eventplanung, Logistik, Vertrieb, Produktion, Koordination, Finanzierung, Lizenzierungen, Ausschreibungen, Bestellungen und vieles mehr. Schlussendlich habe aber auch sie gelernt, zu delegieren, schmunzelt sie.

Musikerin und Managerin

Momentan ist Katrin Spiegel gleichzeitig Künstlerin und Managerin. „Ich hab meine Routine gefunden – es gibt Künstlertage und Managertage, vermischen kann ich das kaum, weil da bei mir zwei komplett verschiedene Typen herauskommen. Ich erlebe mich dann einerseits als große Chaotin, ruhig, in meiner eigenen Welt und extrem sensibel. Und an meinen Management-Tagen bin ich eben Managerin, arbeite meine to do-Listen ab, überlegt und strategisch. Quasi zwei Fulltimejobs in einem. Als Managerin bin ich eher zack zack zack und für viele oft zu schnell denkend und handelnd“ lacht sie, „als Künstlerin bin ich der verträumte Freigeist.“
Beruf und Privatleben sind bei Katrin Spiegel längst verschmolzen. Aber sie hat gelernt, weder das eine noch das andere zu kurz kommen zu lassen. „ Mit 26 bin ich nämlich in eine Art Burnout reingerutscht, aus dem ich mich mit der Zeit wieder selbst rausgezogen habe.“ Und das war ihr eine Lehre. An diesen Punkt möchte sie nicht mehr kommen.

Auch ein kreatives Geschäft ist ein Geschäft

Auch mit Knowhow und Unterstützung kann das finanzielle Überleben eines Künstlers hart sein. „Es ist einfach Fakt, dass leider bei vielen Zuhörern – vor allem bei den jungen – durch die Digitalisierung und der ständigen Beschallung, das Gefühl der Wertigkeit von Musik verloren gegangen ist“, bedauert die Kulturmanagerin. „Ich kenne nur wenige Menschen, die sich aufs Sofa legen und sich bewusst eine Platte anhören. Das ist irgendwie schade. Oder auch bei einigen Konzerten: Da werden die Tickets relativ günstig verkauft, oftmals günstiger als so mancher Clubeintritt, allerdings endet es dann oft darin, dass das Publikum während des Konzertes spricht.“ Katrin Spiegel mag das gar nicht, findet es respektlos den Musikern gegenüber. „Das Live-Geschäft ist für die Musiker aber seit der Digitalisierung eigentlich noch stärker zur Haupteinnahmequelle geworden. Auf der anderen Seite würden wir ohne die digitale Welt niemals eine derartige Reichweite in so kurzer Zeit erzielen, wie es uns inzwischen möglich ist. Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile. Ich finde eher, dass es beim eigentlichen Sound einen Unterschied macht: Mp3 verglichen mit Vinyl – das lässt sich nicht vergleichen, da liegen Welten dazwischen.“
Katrin Spiegel hat erfahren, wie ungern manche Künstler ihr Geschäft als Business sehen, „aber es ist eines. Man ist quasi selber eine Firma. Seine eigene Firma. In der Kreativwirtschaft muss man kreativ sein, auch mit den Finanzierungsformen. Crowdfunding hat sich beispielsweise in den vergangenen Jahren etabliert hat – wenn man das richtig macht. Mit genügend Vorarbeit und Planung kann man seine Projekte sehr gut finanzieren. Ansonsten über Sponsoren, Förderungen, am besten ist man zeitgleich noch ein guter Verkäufer – und: verkauft sich nicht unterm Wert. Oder man hat einen Manager, der das für einen regelt“, lacht sie. Katrin Spiegel bezeichnet sich in dieser Hinsicht selbst als lösungsorientierte Ideenschmiedin: „Ich habe für jedes Problem eine Lösung. Oder zwei oder drei – auch wenn sie noch so absurd sind.“

Ein Moment vertonter Poesie

Katrin_Spiegel_MOMENTS

Anfang diesen Jahres fand Katrin Spiegel schließlich die für sie „perfekte Konstellation“ an Musikern: Heidi Fial am Kontrabass, Edo Meyer an der akustischen Gitarre und Pit Banzhaf am Piano. Am 20.April 2017 steht Katrin Spiegel in dieser Formation im „Casino Baumgarten“ in Wien für die Aufnahme ihres ersten Albums „Moment“ auf der Bühne: live, analog, unplugged, mit Publikum. „Für mich war es immer sehr wichtig – speziell seit Musik immer weniger nachvollziehbar wird – Musik back to the roots, also zurück zu diesem unverfälschten, echten, nackten Klang zu bringen. Mit dem Album und der Art, wie es aufgenommen wird, möchte ich eine akustische Direktheit und Intimität schaffen, die den Live-Moment schon fast surreal nach Hause ins Wohnzimmer bringen darf.“ Das Album „Moment“ wird im Herbst 2017 veröffentlicht.
Die Texte zu ihren Songs schreibt Katrin Spiegel selbst – eigentlich sind es Songs zu ihren Texten: „Manchmal transformierten sich meine Gedichte automatisch zu Songs, und manche sind in ihrer Struktur einfach so geblieben wie sie waren. Text und Inhalt sind mir schon sehr wichtig. Aber auch das Arrangement rundherum – ein guter Song muss für mich mit Stimme und einem Instrument funktionieren. Wenn er das tut, dann ist Platz für weitere Instrumente.“ Katrin Spiegel wird einen Teil ihres Gewinnes beim Konzert für die Organisation „1 % for the Planet“ spenden. „Auch beim nächsten Crowdfunding plane ich, wenn ich einen bestimmten Betrag erreiche, 50 Prozent an eine Menschenrechtsorganisation zu spenden, die sich für Gleichberechtigung einsetzt – welche das sein wird, recherchiere ich noch. Ich habe das Gefühl, dass ich mit meinem Schaffen endlich ein Sprachrohr dafür gefunden habe, aktiv etwas zu tun, aufzuwecken und mich einzusetzen, soweit es für mich möglich ist.“

Gut möglich übrigens, dass wir Katrin Spiegel im Mai 2017 wieder einmal in Vorarlberg auf der Bühne erleben dürfen, sie plant nämlich, „ein kleines Konzert“ zu geben. Wo genau das sein wird, steht noch nicht fest – wir freuen uns jedenfalls schon!

Verfasst im April 2017

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