Stefanie Schwarzmann

Tourismusfachfrau

Die Bregenzerwälderin hat aus dem Erfahrungsschatz einer vierfachen Mutter und leidenschaftlichen Touristikerin ein preisgekröntes Konzept entwickelt, das mittlerweile ganzjährig vor allem Urlauber-Familien in das kleine Bergdorf Schröcken zieht: die Idee ihrer „Zwergenhäuser“ beinhaltet sowohl Entspannung für Erwachsene, als auch das immer mehr in den Hintergrund gedrängte freie und ungezwungene Spiel der Kinder – in Vorarlberg als „Hüsla“ bekannt. Auf diesen beiden Säulen stehen die zwei schmucken Chalets von Stefanie – Steffi – Schwarzmann am Rande des rund 200 Seelen-Dorfes Schröcken, das zwischen Arlberg und Bregenzerwald liegt.

„Die guten Sachen entstehen oft spontan“, sagt Steffi Schwarzmann, als wir gemeinsam in einem der beiden „Zwergenhäuser“, im „Edelweiß“, am Tisch sitzen. – Bei einem ganz kurzfristig vereinbarten und herrlich unkomplizierten „Schwarz auf Weiß“- Interviewtermin. Während uns die Hausherrin aus ihrem Leben erzählt, haben unsere Kinder längst den Garten entdeckt und sind in ihre ganz eigene Welt eingetaucht. „Genauso soll es sein“, freut sich Steffi Schwarzmann. „Das ist das Prinzip meiner Idee.“

Titelbild: ©Victoria Rüf

Zuhause, wo Familie ist

Zwar in einer ganz anderen Ecke des Bregenzerwaldes aufgewachsen, liebt Steffi Schwarzmann ihr neues kleines Heimatdorf: „Ich bin gerne in Schröcken. Denn es ist der Ort, wo ich mich wohlfühle und wo meine Familie ist. Ich bin tatsächlich am liebsten zuhause, im Kreis meiner Familie“, erklärt die Anfang 50-Jährige. Und was viele vielleicht als „abgeschiedene Gegend“ bezeichnen mögen, beschreibt sie als „ruhig und beschaulich“. „Das ist mir viel lieber als jegliches Remmidemmi. Ich bin sehr naturverbunden, und meine Kinder können hier noch so aufwachsen, wie es für uns damals selbstverständlich war: sie können gemeinsam und unbeschwert durch die Gegend ziehen, haben eine gewisse Freiheit und werden nicht nur von einem Freizeittermin zum anderen gebracht.“

Einfach nur hüsla

Ihre eigene Kindheit hat Steffi Schwarzmann in Egg verbracht, wo sie gemeinsam mit ihren drei Geschwistern aufgewachsen ist: „Wir hatten eine wunderschöne Kindheit“, schwärmt sie. „Wenn ich zurückdenke, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass man es irgendwo schöner haben könnte. Obwohl – oder gerade weil – wir sehr einfach gelebt haben.“
Ihre Familie hat viele Jahre in einer kleinen Lehrerwohnung gewohnt, Steffis Vater war Hauptschuldirektor im Ort. Den Sommer haben sie gemeinsam in der Tourismusgemeinde Warth am Arlberg verbracht. „Da hatten wir eine Ferienwohnung, in der wir jedes Jahr zwei Monate verbracht haben“, erzählt die Bregenzerwälderin. „Jeden Tag sind wir Kinder mit der Steffisalp-Bahn in die Höhe gefahren und zu einem kleinen Bächlein gewandert, wo wir den ganzen Tag gespielt haben. Es war uns nie langweilig. Im Gegenteil: wir haben es sehr genossen, einfach mit den Dingen zu spielen, die da waren, einfach nur z’hüsla eben“, lacht sie. „Ich habe gelernt, mit dem was da ist, zufrieden zu sein. Ich gebe auch meinen eigenen Kindern mit auf den Weg, dass man sorgsam mit der Welt und den Menschen umgeht. Das ist etwas, das ich von zuhause mitbekommen habe.“

Von der weiten Welt nach Schröcken

Spaziergang durch die Umgebung von Schröcken; Foto: ©“Schwarz auf Weiß“

Spaziergang durch die Umgebung von Schröcken; Foto: ©“Schwarz auf Weiß“

Warth ist dadurch Steffi Schwarzmanns zweite Heimat geworden. Nach ihrer Ausbildung hat sie sich ganz in der Gemeinde niedergelassen und im dortigen Tourismusbüro die Leitung übernommen, bis sie der Liebe wegen ins benachbarte Schröcken gezogen ist. „Die Schröckner Buaba sind früher immer nach Warth auf Brautschau gegangen“, schmunzelt sie. „Und mein Mann war damals einer von ihnen.“

Dass sie einmal in Schröcken ihre Zelte aufschlagen würde, hätte sie sich zu der Zeit nie träumen lassen: „Ich habe mir als Jugendliche sogar viel eher vorstellen können, in die weite Welt zu reisen!“ Steffi Schwarzmann hat während ihrer Zeit am Tourismuskolleg in Innsbruck auch immer wieder Praktika und Jobs in ganz Europa angenommen, war unter anderem für längere Zeit in England und Norwegen, „zweimal habe ich für ein halbes Jahr in Griechenland gelebt“, ergänzt sie.

Wiedereinstieg in den Tourismus

Nach der Geburt ihres ersten Kindes hat Steffi Schwarzmann begonnen, im Büro des Tischlereibetriebes ihres Mannes zu arbeiten. Nebenbei hat die vierfache Mutter Ferienwohnungen vermietet. „Ich hatte immer schon gerne Gäste im Haus. Ich mag und schätze andere Menschen. Nicht nur meine Freunde, sondern prinzipiell einmal zunächst jeden.“ Deshalb war und ist die Arbeit im Tourismus auch der Job, den sie am meisten liebt: „Es war für mich immer schon klar, dass ich in diesem Bereich irgendwann wieder intensiver arbeiten würde.“

Vor gut zehn Jahren dann hat wieder einmal Spontaneität Regie in Steffi Schwarzmanns Leben geführt: eine ehemalige Nachbarin hat an ihrer Haustüre geklingelt und gefragt, ob die Schwarzmanns nicht vielleicht Interesse am 400 Jahre alten Haus ihrer Vorfahren hätten. Sie wollte es verkaufen – am liebsten an jemanden im Ort. „Der Zeitpunkt war zwar überhaupt kein günstiger, wir hatten Arbeit bis über beide Ohren“, erinnert sich Steffi Schwarzmann. „Wir haben uns dennoch entschieden, das Gebäude zu übernehmen, es zu renovieren und als Gästehaus umzubauen.“ Und damit war buchstäblich der Grundstein für ihren Wiedereinstieg in den Tourismusberuf gelegt.

Stefanie Schwarzmann; Foto: ©Victoria Rüf

Aus Arbeiterwohnung wird Wellness-Chalet

Auch das zweite Haus, das Steffi Schwarzmann vermietet, hat sich ganz zufällig zu einem Gästehaus entwickelt: Es war nämlich ursprünglich als Wohn- und Apartmentgebäude für die Mitarbeiter ihres Mannes gedacht, die im Sommer die Mannschaft in der „Tischlerei Schwarzmann“ verstärkt haben. Über die Wintermonate haben die Schwarzmanns die Räumlichkeiten vermietet. „Die Gäste sind hauptsächlich zum Skifahren gekommen und haben hier ihren Wintersporturlaub verbracht. Da profitieren wir natürlich von der Nähe zum Arlberg“, erklärt die Tourismusfachfrau.
Nach und nach haben die Tischlerei-Mitarbeiter ihre eigenen, fixen Wohnlösungen gefunden. Steffi Schwarzmann hat begonnen, ihr Konzept für Sommergäste weiter zu entwickeln, das schon längere Zeit als Idee geschlummert und nur noch auf seine Umsetzung gewartet hat:

Ein Zwergenhaus mit großer Wirkung

Sie hat erkannt, dass viele Menschen für ihre Kinder das vermissen, was für Steffi Schwarzmann selbst und ihren Nachwuchs ganz natürlich war: einfach zu spielen. Ohne Vorgaben und Rahmen nur Kind sein zu dürfen. „Und das können sie hier in einer freien und doch geschützten Umgebung. Meine Häuschen und die jeweiligen Gärten davor sind dafür wie geschaffen. Wir haben genug Platz für die Kreativspielplätze, für Liegewiesen, Holzponys und die Spielhäuschen im Freien. Die Kleinen können selbständig hüsla während die Erwachsenen grillen, im Liegestuhl entspannen oder im eigenen Wellnessbereich samt Sauna und Ruheraum den Urlaub genießen.“

„Niemand muss, jeder kann.“ – Das ist das oberste Prinzip im „Zwergenhaus Schröcken“: „Die Kinder sollen spielen dürfen und nicht müssen. Wir bieten Spiele und Bastelsachen an“, erklärt Steffi Schwarzmann, sie müssen davon aber nicht Gebrauch machen, schon gar nicht zu einer bestimmten Uhrzeit.“
Aus eigener Erfahrung weiß die vierfache Mama, wie schwierig es ist, mit mehreren Kinder in Urlaub zu gehen, jedem Alter irgendwie gerecht zu werden: Ihre Kinder sind zwischen 22 und acht Jahre alt.

Kreativkisten je nach Alter und Interessen

Steffi Schwarzmann hat sich für jedes Alter ihrer kleinen Gäste etwas Besonderes einfallen lassen, das sie mit viel Bedacht in einzelne „Kreativkisten“ aus Holz packt: „Es sind richtige Schatzkisten mit kreativem Spiel- und Bastelmaterial, sortiert für jedes Alter und viele Interessen. Die Familien können sie bei mir nachfragen, ich stelle sie dann einzeln zur Verfügung.“
An den Kreativkisten hat Steffi Schwarzmann ein Jahr lang getüftelt und experimentiert: „Es hört sich einfacher an, als es ist“, betont sie. „Aber bereits die Frage Was biete ich an und was nicht? war nicht einfach zu beantworten. Denn was die einen als gefährlich empfinden, sehen andere wiederum gelassener… Ich habe auch erkannt, dass nicht alle Kisten gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden dürfen. Da sind alle wieder überfordert und wissen gar nicht, wo sie anfangen und aufhören sollen.“

Am schönsten findet es Steffi Schwarzmann, wenn ganze Gruppen und Familien kommen und sie dann merkt, dass die einen spielen, die anderen kochen und die dritten in der Sauna entspannen. „Das zu sehen, macht mich glücklich.“

Allerdings bekommt man Steffi Schwarzmann als Gast nur dann zu Gesicht, wenn man sie braucht: „Am Anfang hatten wir zweimal pro Woche einen Reinigungsservice, das wollten die Gäste aber gar nicht. Jetzt wechseln wir Handtücher, wenn das gewünscht ist und ich komme, wenn man mich ruft. Das hat bislang immer ganz gut funktioniert und die Privatsphäre wird sehr geschätzt.“

Beim Vermieten sei es einfach von Vorteil, wenn man Menschen mag, fasst die Hausherrin zusammen: „Vielleicht hatte ich bislang Glück oder Selbstversorger sind per se sympathische Menschen“, lacht sie. „Jedenfalls bin ich noch nie wirklich negativ überrascht worden. Wer in ein Selbstversorgerhaus geht, möchte mit Freunden zusammensitzen, schätzt einen gewissen Komfort, ist sich aber nicht zu schade, im Urlaub selbst zu kochen und die Unterkunft sauber zu halten. Das sind einfach angenehme Leute.“
Ihre Zielgruppe sei ganz klar die Vorarlberger Familie, allerdings werden in ihren Chalets auch gerne Seminare und größere Feierlichkeiten wie etwa Polterabende abgehalten. „Generell machen immer mehr Menschen lieber Urlaub im eigenen Land. – Und zwar einen Urlaub, in dem sie sich richtig erholen können.“

Innovationspreis für Tourismus

Die Idee ihrer „Zwergenhäuser“ ist 2018 vom Land Vorarlberg mit einem „Innovationspreis für Tourismus“ ausgezeichnet worden: „Das war für mich dann auch die offizielle Bestätigung, dass mein Projekt stimmig ist. Manchmal denk ich mir, dass meine Idee eigentlich gar nicht innovativ im modernen Sinn ist“, denkt Steffi Schwarzmann laut. Die Art des freien Spieles sei ja vielmehr ganz ursprünglich, mitunter eben vielleicht ein bisschen vergessen und im Alltagsstress untergegangen. „Damit sich Kinder wohlfühlen, muss es einfach stimmig sein. Es muss passen, es darf auch nirgendwo eine ernsthafte Gefahrenquelle lauern. Es muss entspannt ablaufen – für alle, für Kinder und Erwachsene.“

Steffi Schwarzmann selbst ist natürlich sehr eingespannt durch ihre Jobs: „Ich hatte heuer genau ein Wochenende, an dem keine Gäste da waren. Einen Fernseher brauche ich nicht oft. Aber ich habe einfach so große Lust auf das, was mir beruflich so großen Spaß macht!“ Die beiden Häuser werden auch abseits der typischen Urlaubszeiten gebucht. Und das ist gerade für die Arlbergregion recht außergewöhnlich. „Das haben mir die Tourismusämter auch bestätigt“, erklärt Steffi Schwarzmann stolz.
Das motiviert, die Idee weiter zu entwickeln: „Mein Zwergenhaus könnte eine Art Plattform werden, die für eine gewisse Urlaubsart steht. Ideen hätte ich da noch genug. Jetzt werde ich zunächst aber erst mal meine Website weiter ausbauen und mich noch mehr vernetzen. Mein Wunsch ist es, dass Zwergenhaus ein Begriff unter Familien wird, der mit einem angenehmen und entspannten Urlaub für alle Familienmitglieder verbunden wird.“

Was uns „Schwarz auf Weiß“-Familie betrifft, ist dieser Wunsch jedenfalls schon in Erfüllung gegangen :-)

Verfasst im Juli 2019

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