Angelika Kaufmann

Skiführerin, Skilehrerin und Freeriderin

Skier sind für die Freeriderin aus Zug am Arlberg mehr als ein Sportgerät – für sie sind es buchstäblich „die Bretter, die die Welt bedeuten“, Skifahren ist für Angelika Kaufmann ein Lebensgefühl. Bereits als Kleinkind stand die Tochter eines Ski- und Bergführers auf Skiern und seitdem hat sie diese Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Angelika Kaufmann hat – unter anderem – fünf Mal hintereinander das Arlbergskirennen „Der Weiße Ring“ gewonnen, war Österreichische Freeridemeisterin und arbeitet heute als Skiführerin in Lech am Arlberg, wo sie ihre Liebe zu den Bergen, zum Schnee und zur Bewegung an andere Menschen weitergibt.

Und dass sie Menschen begeistern kann, davon konnten wir uns bei unserem Gespräch bei einer Tasse Tee schnell überzeugen: Die Anfang-30-Jährige muss nicht lange überlegen, wenn sie ihre Leidenschaft in Worte fassen soll. Denn die sprudeln – mit einer guten Portion Humor gewürzt – nur so aus ihr heraus.

Titelfoto innen: Hansi Heckmaier
Titelfoto außen: Rudi Whylidal

Ich musste einfach Skifahren

„Von meinem Vater, der ja selbst Berg- und Skiführer ist, habe ich nie den Druck verspürt, mich in irgendeine Richtung hin zu entwickeln, aber er hat natürlich meine Leidenschaft fürs Skifahren schon sehr früh geweckt. Es ist meine Berufung, das was ich machen soll“. Angelikas Mama starb, als sie noch sehr jung war. „Dadurch“, sagt die Anfang-30-Jährige heute, „habe ich schon früh meinen Weg selber gehen müssen und auch dürfen. Und weil Angelika Kaufmann bereits in der Volksschule nichts anderes machen wollte als Ski zu fahren, entschied sie sich, danach die Skimittelschule Neustift zu besuchen. Im Anschluss hat sie eine Lehre zur Hotel- und Gastgewerbeassistentin gemacht. „Und da habe ich wieder gemerkt, dass ich unbedingt Skifahren muss. Ich habe mir im Winter extra Urlaub genommen, damit ich Skifahren konnte. Das war einfach so wichtig für mich in dieser Zeit.“ Angelika Kaufmann hat ihre Lehre mit Auszeichnung abgeschlossen.

Einzige Frau im Staatlichen Ausbildungsteam

Ihre Ausbildungen zum Schneesportlehrer, zur Diplomskilehrerin und Skiführerin absolvierte Angelika Kaufmann beim Vorarlberger Skilehrerverband und an der Skiakademie in St. Christoph „Die hatten den Ruf, die besten Schifahrer von Österreich auszubilden. Und das war mein Ziel. Das wollte ich schaffen.“ Und ehrgeizig, erzählt sie, sei sie schon immer gewesen. Heute bildet sie selbst im Vorarlberger Schilehrerverband Schneesportlehrer aus, für den Österreichischen Skilehrerverband bietet sie die Ausbildung für Diplomskilehrer, also staatliche Skilehrer an. „Es erfüllt mich schon mit Stolz, auf höchstem Niveau auszubilden.“ Und stolz kann sie auch sein, denn immerhin ist Angelika Kaufmann zurzeit die einzige Frau im Österreichischen Staatlichen Ausbildungsteam.

Den eigenen Körper spüren

Heute arbeitet sie hauptberuflich als freie Schiführerin am Arlberg (Link zur Homepage von Angelika Kaufmann) „Ich versuche, das Gefühl, das ich beim Skifahren so liebe, an meine Gäste weiterzutragen.“ Bei ihr eine Tour zu buchen ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach, „ich habe so viele Stammgäste. Es sind da hauptsächlich Österreicher, aber auch Deutsche, Engländer und Amerikaner, die bei mir mitfahren. Ich habe das große Glück, mit sehr guten Skifahrern unterwegs zu sein. Wenn man auf einem bestimmten Niveau fährt, dann kann man sich schon ganz anders im Gelände bewegen.“ Angelika Kaufmann sieht es als ihre Aufgabe an, ihre Gäste ganz den Moment und die Bewegung erleben zu lassen: „Die Menschen sollen durch unsere Skitouren raus aus der digitalen Welt geholt werden, sie sollen sich selbst und ihren Körper erleben und spüren.“

Arbeitsintensive Winter

Angelika Kaufmanns Freizeit ist während der Wintermonate auf ein Minimum herunter geschraubt. Tagsüber kümmert sie sich um ihre Gäste, verbringt mit ihnen auch das Abendessen. „Ich bin abends müde, am nächsten Tag geht es wieder weiter, das ist körperlich recht anstrengend: Ich fahre natürlich voran, spure den Gästen den Weg, muss dabei immer die Sicherheit im Auge behalten. Ich habe im Winter wenig Zeit für meine Freunde und für meine Familie oder irgendjemanden. Während dieser Zeit investiere ich wirklich alles in meinen Job“, erzählt die Skiführerin. Nebenher tauscht sie sich mit anderen Guides aus, berichtet über ihre Erfahrungen im Gelände. Die arbeitsintensivste Zeit beginnt für Angelika Kaufmann bereits im Herbst mit den Skilehrer-Ausbildungen und geht dann mit den geführten Skitouren durch bis weit in den April hinein. „Nach drei Monaten merkt man, dass der Körper müde wird, wenn man jeden Tag auf den Brettern steht. Da braucht man eine Pause. Ab dem späten Frühling habe ich dann Zeit, selbst etwas zu unternehmen und auch einmal nur mit mir allein auf einen Berg zu gehen. Es ist einfach ein wunderschöner Job“, schwärmt die leidenschaftliche Wintersportlerin.

Skifahren im Sommer

Im Alter von 19 Jahren war für Angelika Kaufmann der Sommer ohne Ski zu fahren schlicht zu lange: „Und weil ich das ganze Jahr über Skifahren wollte, bin ich im Sommer nach Chile gereist und habe mich dort als Skilehrerin beworben. Dort war ja dann während unserer Sommerzeit Winter.“ Nach ungefähr einem Monat Aufenthalt hat sie sich allerdings bei einer Abfahrt im harschigen Schnee derart das Knie verdreht, dass Kreuzband und Meniskus schwer gelitten haben. „Verletzt. In Chile. Ich sah das als Zeichen, dass ich im Sommer einfach nicht Skifahren soll.“ Seither wartet sie eben jedes Jahr geduldig auf den ersten Schnee.

Ein gutes Gespür für Schnee

Angelika Kaufmann ist zusätzlich bei der Lawinenkommission in Lech aktiv. Das bedeutet für sie, dass ihr Team nach gewissen Niederschlagsmengen oder kräftigem Wind schon früh vor allen anderen auf den Berg aufsteigen muss, um das Schigebiet zu sichern. „Das heißt, wir sprengen zum Beispiel Lawinen, damit die Skifahrer sicher und sorgenfrei fahren können. An solchen Tagen bin ich von 8.00 bis 16.00 Uhr fast durchgehend auf den Schiern.“ Und wer je lange Skitage ohne nennenswerte Pausen erlebt hat, der weiß, wie da am Abend schon mal die Beine schlottern können… Durch ihre Arbeit bei der Lawinenkommission verfeinert Angelika Kaufmann ihr ohnehin sehr gutes Gespür für Schnee: „Und ich habe dadurch auch bereits zwei Stunden vor Ankunft meiner Gäste die besten Informationen über die Schnee- und Gefahrensituation.“

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