Chantal Düringer

Golfspielerin

Die 18-Jährige hat durch Zufall ihre Leidenschaft zum Golfsport entdeckt und als Quereinsteigerin bereits einen Jugendlandesmeistertitel, zwei Landesmeistertitel, eine Bronzemedaille bei den letztjährigen Jugend-Staatsmeisterschaften sowie eine Top-10-Platzierung bei den heurigen Staatsmeisterschaften in der Tasche. Nachdem Chantal Düringer soeben erfolgreich das Gymnasium abgeschlossen hat, ist die ehrgeizige Bregenzerin nun fest entschlossen, ihre Sportkarriere professionell fortzusetzen. – Und wenn sich die junge Golferin etwas vorgenommen hat, dann setzt sie es in den allermeisten Fällen auch um:

„Ich bin tatsächlich sehr diszipliniert“, bekräftigt sie bei unserem „Schwarz-auf-Weiß“-Interview, zu dem sie auffallend gut vorbereitet kommt: in einem Notizheft hat Chantal Düringer sich vorab einige ihr wichtige Gedanken für unser Porträt notiert. „Ich bereite mich vor auf das, was ich mache. Es ist dann schlussendlich zwar nicht immer alles so strukturiert, wie ich das ursprünglich wollte“, räumt sie lachend ein. „Und ich merke dann manchmal auch, dass ich zu sehr dem Perfekten nachstrebe. Und das, obwohl man gerade im Golf gar nicht unbedingt perfekt spielen kann und muss…“

Titelfoto außen: ©Chantal Düringer
Titelfoto innen: ©adriano araimo photosports

Durch Reisen die Heimat schätzen lernen

Chantal Düringer wohnt gemeinsam mit ihren Eltern – einem Bregenzerwälder und einer gebürtigen Steirerin – in Bregenz, wo sie auch aufgewachsen ist. „Meine Oma väterlicherseits ist Thailänderin. Wir sind eine sehr weltoffene und reiselustige kleine Familie, die eng zusammensteht.“ Obwohl – oder gerade weil – sie mit ihren Eltern schon sehr viel und weit gereist ist und in jungen Jahren einiges von der Welt gesehen hat, liebt sie den Ort, an dem sie lebt: „Ich bin gerne zuhause in Bregenz, in Vorarlberg. Die Jahreszeiten, den Schnee, die Berge, das Grün, die Natur,… das alles habe ich sehr zu schätzen gelernt. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass ich schon als Kind so viel erleben durfte. Denn auf unseren ausgedehnten Reisen habe ich gesehen, wie Menschen anderswo leben, wie sich beispielsweise das Leben in einer Großstadt anfühlt, die Luft, das Wasser. Das ist alles sehr spannend. Aber ich finde es dadurch auch jedes Mal wieder schön, wenn ich zurück in mein Zuhause komme.“

Von der Kletterwand auf den Golfrasen

Chantal Düringer ist sportlich vielseitig – hier beim Bogenschießen im Jahr 2014; Foto: ©Chantal Düringer

©Chantal Düringer ist sportlich vielseitig – hier beim Bogenschießen im Jahr 2014.

Die junge Bregenzerin ist dadurch auch sehr vielseitig interessiert: „Ich bin schon als Kind immer wieder motiviert worden, alles auszuprobieren, was mich fasziniert hat. Ballett, Tennis, Klettern, Wandern – ich habe überall ein bisschen hinein geschnuppert. Das hat mich sehr offen gemacht für alles Neue, ich verfolge das Weltgeschehen, informiere mich. Es gibt kaum etwas, das mich überhaupt nicht interessiert – ich finde immer wieder interessante Zugänge zu Politik, Ernährung, Fashion und natürlich Sport. Auch meine Eltern sind sehr sportlich, wir haben auch im Urlaub immer wieder neue Sportarten ausprobiert.“

Als Chantal zwölf Jahre alt war, verbrachte Familie Düringer einen Sporturlaub: „Wir sind gerade von einer Klettertour in den Dolomiten zurückgekommen, die wir eigentlich gemütlich in unserem Hotel in der Nähe von Meran ausklingen lassen wollten“, erinnert sie sich. Allerdings hat die Familie am angrenzenden Golfplatz viel mehr Interesse gefunden als am Wellness-Bereich. „Und weil wir schon mal da waren, haben wir es eben ausprobiert. Von da an hat mich dieser Sport einfach gepackt. Meine Eltern und ich haben mit diesem Tag begonnen, Golf zu spielen. Am Anfang funktioniert zwar gar nichts“, lacht sie, „man trifft nicht, die Bewegung ist komplett untypisch und ungewohnt allem gegenüber, was man zuvor gemacht hat. Aber die Erfolgsmomente kommen bald: der erste Treffer war ein herrlicher Erfolgsmoment. Und ich wollte mehr davon“.

Golfsport als Training fürs Leben

„Beim Golf ist kein Schlag wie der andere, es ergeben sich immer wieder neue Situationen. Und das Schwierige ist, dass der Kopf weiß, wie es geht, aber du deinem Körper vermitteln musst, wie er es umsetzen soll“, erklärt die Golferin und betont, dass sie durch das Training viel für ihr eigenes Leben gelernt hat: „Ich wollte von Anfang an gut sein, und ich trainiere auch dafür. Aber ich musste lernen und damit klarkommen, dass ich in diesem Sport nicht perfekt sein kann. Mit Niederlagen umzugehen ist vor allem am Beginn überhaupt nicht einfach. Mittlerweile habe ich gelernt, einen schlechten Schlag psychisch wegzustecken und mich voll und ganz auf den nächsten zu konzentrieren.

©Chantal Düringer

©Chantal Düringer

Diese Fähigkeit hat mir auch für mein Alltags- und Schulleben viel gegeben. Ich habe gelernt, mich nicht über Niederlagen aufzuregen, sondern daraus zu lernen und mich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren.“ Generell schätzt Chantal Düringer ihren Sport als ausgezeichnetes Konzentrations- und Gehirntraining. Dazu kommen unbezahlbare Erfahrungen auf den Turnierreisen durch Österreich: „Man lernt das eigene Land mit eigenen Augen kennen! Ich merke, dass Gleichaltrige Österreich nicht wirklich kennen. Durch meinen Sport bin ich da ganz schön herum gekommen und habe noch dazu viele tolle Menschen kennen gelernt, die diese Leidenschaft mit mir teilen. Außerdem liebe ich es, dass Golf – zumindest in Österreich – sehr naturverbunden ist.“

Zeit, Organisation und Geld

Auf der anderen Seite ist Golfspielen kosten- und zeitaufwändig. Dieser Ruf, der dem Sport vorauseilt, werde der Realität nach wie vor gerecht, weiß Chantal aus Erfahrung. „Das steht außer Zweifel. Golf ist teuer und zeitintensiv. Nicht umsonst haben ihn gerade Menschen im Pensionsalter für sich entdeckt. Dazu kommt ja auch, dass man den Golfsport auch sehr körper- und gelenkschonend betreiben kann.“ Es sei also nicht der klassische Jugendsport, in den sie sich so verliebt hat, aber die Jungen – auch im Land – ziehen kräftig nach, beobachtet Chantal: „Dennoch ist der Golfsport längst noch nicht so etabliert wie etwa in den USA, wo Golf sogar als Collegesport einen guten Ruf genießt und die Gewinner auch in den Medien gefeiert werden. Immerhin“, fügt sie hinzu: „- der Golfsport ist mittlerweile auch hierzulande für eine breite Mittelschicht leistbar geworden, aber wenn man auf Wettkämpfe durch ganz Österreich tourt und auf teils doch sehr elitäre Clubs trifft, dann geht das natürlich ins Geld – vor allem, wenn man als Sportler selbst noch nichts dabei verdient“.

Und weil eben viel Zeit und Geld dahintersteckt, ist Chantal Düringer froh, dass auch ihre Familie und ihr Freund Golf spielen: „Dadurch können wir beim Sport sehr viel Zeit miteinander verbringen und uns austauschen. Es hilft einfach, wenn die Menschen im engeren Umfeld verstehen, von was man da eigentlich redet. Meine Eltern unterstützen mich auch finanziell und organisatorisch, sie managen mich neben ihren eigentlichen Berufen. Wir sind wie eine kleine Familien-Golf-GmbH: mein Vater kümmert sich unter anderem um meine Social-Media-Auftritte (hier geht’s zu Chantals Instagram-Kanal ), meine Mutter organisiert die Turnierreisen und vieles andere. Das würde ich alles alleine gar nicht schaffen…“ Chantal Düringer ist seit heuer im Damen-„Observationsteam“ des Österreichischen Golfverbandes dabei, aber nicht Mitglied im Vorarlberger Golfverband , die angebotenen Trainingszeiten haben für sie hier einfach nicht gepasst, erklärt sie: „Ich bin so zufrieden mit meiner eigenen Trainingsgestaltung, dass ich das nicht ändern wollte.“

Fünf bis sechs Mal in der Woche findet man Chantal Düringer auf dem Golfplatz beim Training, überwiegend in ihrem Verein, dem Golfclub Bludenz-Braz . Rund drei bis vier Stunden am Tag trainiert sie mindestens. „Meistens nicht vier Stunden am Stück, aber gut aufgeteilt. Denn ich möchte auf keinen Fall die Lust am Sport verlieren!“

©Chantal Düringer nach der bestandenen Matura

©Chantal Düringer kurz nach der bestandenen Matura

Daneben hat sie das Privatgymnasium „Sacré Coeur Riedenburg“ in Bregenz besucht und soeben erfolgreich abgeschlossen. „Wenn man etwas will und dafür lernt, dann kann man es auch“, ist sie überzeugt. „Aber man muss auch zu sich selbst so ehrlich sein und sich eingestehen, dass weniger lernen eben auch eine weniger gute Note bedeutet. Ich muss mir halt überlegen, was ich wo investieren will, was ich für einen Test, eine Prüfung oder eben ein Turnier einsetzen will. Ich habe immer genau abgewogen und für mich überlegt, welcher Lernstoff mich interessiert und wo ich persönlich wirklich bis ins Detail Bescheid wissen will. Und das hat für mich eigentlich immer recht gut geklappt – gerade auch in einer Schule, in der das Niveau sehr hoch ist“, sagt sie zurecht stolz.

Natürlich gibt es auch Momente, in denen Chantal gerade keine große Lust hat, zum Training zu gehen. „Wenn ich mich dann aber aufgerafft habe und am Platz bin, finde ich es immer wieder toll, und ich bin jedes Mal froh, dass ich doch noch gegangen bin. Es ist alles eine Einteilungs- und Organisationssache: ich trainiere ja nicht den ganzen Tag, und ich lerne nicht den ganzen Tag, ich geh auch nicht den ganzen Tag mit meinen Freundinnen Eis essen. Ich kann mir die Zeit dafür einteilen. Ich trainiere gerne und auch viel. Aber meine Freizeit kommt ebenfalls nicht zu kurz. Ich empfinde mein Leben nicht als stressig, ich bin organisiert aber nicht gestresst.“

Chantal Düringer beim Aufwärmen vor dem Training; Foto: ©Chantal Düringer

©Chantal Düringer beim Aufwärmen vor dem Training

Chantal Düringer trainiert nicht nur auf „ihrem“ Golfplatz in Vorarlberg, sondern seit anderthalb Jahre auch in Osttirol gemeinsam mit Damen-Nationalteamtrainer Daniel Lamprecht. Zusätzlich absolviert Chantal auch diverse Fitnesseinheiten. „Golf entwickelt sich. Wer es wettkampfmäßig betreibt, kommt mittlerweile auch im Damenbereich weg vom Schwingen hin zum Schlagen. Und dann wird es auch anstrengend, denn es steckt sehr viel Kraft dahinter.“ Seit einem halben Jahr trainiert die 18-Jährige deshalb mit einem persönlichen Fitnesscoach . Sie wollte, dass ihr jemand dabei hilft, auch das Fitnesstraining zu koordinieren und effektiv durchzuführen: „Das kann man einfach nicht selbst, wenn man sich nicht sehr gut auskennt. Ich hatte das Wissen nicht, und ein schlechtes Training verschwendet kostbare Zeit und macht vieles kaputt. Jetzt habe ich das Gefühl, mein Training ist gut durchdacht. Ich fühle mich sehr wohl, meinem Körper geht es sehr gut. Fitness ist einfach wichtig beim Golf, um die Muskeln gezielt einsetzen zu können.“

Im Golfsport wird eine klare und strenge Linie zwischen Berufsspielern („Pro“ bzw. „Proette“ genannt) und Amateuren gezogen. Einmal ein Preisgeld oder ein Sponsorenvertrag angenommen, verliert man den Amateurstatus. Deshalb scheiden auch Kooperationen mit Sport- und Modehandel für Chantal Düringer derzeit noch aus, sie möchte so lange im Amateurbereich spielen, bis sie sich selbst als gut genug für den nächsten Schritt sieht. Und ihr ist auch bewusst, dass später einmal die Preisgelder bei ihr als Frau spärlicher fließen werden, als bei ihren männlichen Golfkollegen: „Frauen sind da einfach sehr viel schlechter bezahlt. Deshalb sind bei uns Sponsoren umso wichtiger. Ohne Geld von Menschen, die dich unterstützen, kann man als junge Golfsportlerin nicht überleben. Das klingt beinhart, ist aber eben eine Tatsache. Und ziemlich ungerecht, wenn man das mit den Männern vergleicht.“

Chantal hat sich immer schon intensiv mit dem Thema Gleichberechtigung und Emanzipation auseinander gesetzt, auch in ihrer Schule, die in ihrem Jahrgang noch als reines Mädchengymnasium geführt worden ist. „Ich finde es übrigens schade, dass man dort ab dem kommenden Jahr koedukativen Unterricht anbietet“, bedauert sie. „Da geht eine Tradition verloren, die ich als sehr bereichernd erlebt habe. Ich habe mir diese Schule bewusst ausgesucht und fühle mich jetzt nach der Matura gut vorbereitet auf ein Leben als selbstbewusste und eigenständige Frau. Wir haben sehr viele Frauenthemen im Unterricht besprochen, haben beispielsweise aktuelle (Frauen-)Politik diskutiert, sie von allen Seiten beleuchtet und die Themen in jedem Fach auf die eine oder andere aufbereitet. Sogar in Chemie fanden sich Zugänge“, schmunzelt sie. Chantal Düringer beschreibt sich selbst als sehr politikinteressiert, sie kann sich sogar vorstellen, selbst einmal aktiv in die Politik einzusteigen, falls es im Golf nicht klappt.

Wechsel in den Profisport

Noch ist Chantal Düringer also nicht bereit dafür, in den Profisport zu wechseln, strebt es aber an: „Ich bin sehr spät eingestiegen, in einem Alter, in dem mir andere schon um fünf, sechs Jahre voraus waren.“ Nichts desto trotz steht ihr Entschluss felsenfest: Golfspielen ist es, mit dem sie ihr Geld verdienen will. Diesen Sport will sie zum Beruf machen: „Das war übrigens quasi auch mein erster persönlicher Durchbruch im Golfsport: die Erkenntnis, dass ich das weitermachen will, dass ich Wettkämpfe machen will, dass ich darum kämpfen will, weiter zu kommen.“ Diese Sicherheit wiege für sie übrigens weit mehr als ihre Landesmeistertitel aus den Jahren 2016 und -17 oder die Medaillen bei den Staatsmeisterschaften.

Chantal Düringer will den Golfsport zum Beruf machen; Foto: ©Chantal Düringer

©Chantal Düringer will den Golfsport zum Beruf machen.

Mit der Matura in der Tasche möchte sich Chantal Düringer jetzt auf eine Sache konzentrieren, nämlich ihre sportliche Karriere fortzusetzen. Nur nebenbei zu studieren kommt für sie nicht in Frage: „Ich möchte nicht zwei Sachen gleichzeitig machen und in beidem dann nur mittelmäßig sein. Mit mittelmäßig kommt man nicht durch – immerhin geht es da ja um meinen künftigen Beruf, in dem ich gut sein will!“ In den kommenden drei, vier Jahren möchte sie sich daher ganz dem Golfsport widmen. Sollte das nicht klappen, sei danach immer noch Zeit, ein Studium zu beginnen: „Das kann ich in unserer heutigen Zeit glücklicherweise auch im Alter von 23 Jahren noch tun“, ist sie überzeugt.

Allerdings möchte Chantal die finanzielle Unterstützung ihrer sportlichen Karriere nicht mehr komplett ihren Eltern aufbürden, sondern auch etwas dazu beitragen. Sie hat sich daher vorgenommen, in eines der Sportprogramme der Landespolizei einzusteigen. Die dafür notwendige Aufnahmeprüfung will sie – ganz bestimmt bestens vorbereitet – im Herbst machen.

Verfasst im Juni 2018

4 Kommentare
  1. Hanna Patsch
    Hanna Patsch sagte:

    Ein guter, aufschlussreicher Artikel über eine sympathische, interessante und schon sehr gereifte junge Frau!

    Antworten
    • schwarz-auf-weiss
      schwarz-auf-weiss sagte:

      Vielen Dank für das schöne Feedback, das freut uns sehr. Weiterhin viel Freude beim Lesen wünscht das Team von „Schwarz auf Weiß“!

  2. Bettina Seeberger
    Bettina Seeberger sagte:

    Bravo Chantal, toller Artikel, tolle junge Dame!
    Freue mich auf die nächste Golfrunde mit dir.
    Weiterhin viel Erfolg in allem was du tust. #glaubandich !!!

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