Iris Murray (Rathmaier)

Internationale Springreiterin und Unternehmerin

Die gebürtige Dornbirnerin hat sich erfüllt, wovon viele pferdebegeisterte Mädchen träumen: die international erfolgreiche Turnierreiterin lebt und arbeitet auf ihrer eigenen Reitanlage in Stetten in Niederösterreich, nahe bei Wien. Der Weg dorthin hielt viele Hürden bereit, aber Iris Murray ist nicht nur im Sattel eine Kämpferin. Sie erzählt, wie und warum sie es bis an die Spitze geschafft hat.

Bei einem ihrer Vorarlberg-Besuche treffen wir Iris Murray zum Interview in Dornbirn. Der Jahrzehnte lang ausgeübte Pferdesport spiegelt sich in ihrem bestimmten Auftreten wider. Sie selbst beschreibt sich als „ehrgeizig, emanzipiert und zielstrebig“. Ihre bisherige Lebensgeschichte unterstreicht ihre Selbsteinschätzung.

Leidenschaft und sportlicher Ehrgeiz

Mit einem Lächeln um die Augen betont Iris Murray, dass sich ihr Lebensmittelpunkt immer schon um die Reiterei gedreht hat: Ihre ersten Erinnerungen reichen ins Kinderalter zurück. Sie war ungefähr sieben Jahren alt, als sie zum ersten Mal fasziniert war von der besonderen Atmosphäre, die einen Pferdestall umgab, an dem sie vorbei spazierte. Sie träumte davon, dass ein Pferd sie von der Schule abholte, mit dem sie dann nach Hause reiten konnte. Pferde verkörperten für die Schülerin Freiheit und Stärke und strahlten in ihren Augen eine besondere Ruhe aus. „Zudem haben sie mich angenommen – so wie ich war. Es spielt für die Pferde keine Rolle, ob du reich bist oder arm, ob erfolgreich oder nicht, ob hübsch oder hässlich.“ Die erste Reitstunde war nur die logische Konsequenz – zunächst einmal im Monat, immerhin kostet dieses Hobby ordentlich Geld und Iris stammt aus dem – wie sie es umschreibt – „Mittelstand“. Die Eltern waren davon ausgegangen, dass sich diese Pferde-Leidenschaft mit Beginn der Pubertät ohnehin wieder legen würden, „das Interesse würde sich dann in Richtung Burschen verlagern, meinten sie“, noch heute, fast 20 Jahre später, muss Iris darüber schmunzeln. Das Gegenteil traf ein, und die Liebe zu den Pferden überdauerte nicht nur das Teenageralter sondern hat sich weiter entwickelt und verstärkt. Zu der Leidenschaft zu den Tieren kam bald auch der sportliche Ehrgeiz.

Neider muss man sich hart erkämpfen

Ihr erstes, eigenes Pony bleibt ihr als besonderer Weggefährte in Erinnerung. Mit „Carino“ verdiente sich Iris Murray die ersten Sporen im Turniergeschehen des Landes. Und sie sollte eines jener Talente werden, die es auch ohne subventionierter Trainingswochen, internationaler Trainer, teurer Sportpferde und klingender Nachnamen, sondern vielmehr mit eigener Kraft ganz an die Vorarlberger Spitze schafften. Ein Weg, der eine dicke Haut und mitunter auch Ellenbogen erfordert. Denn je besser ihre Turnierergebnisse wurden, umso mehr sah sich Iris Murray mit Neid und Missgunst konfrontiert – vor allem von den „alteingesessen Turniergrößen mit entsprechendem finanziellen Hintergrund, die ihre Plätze beanspruchten und keine Emporkömmlinge duldeten“, erinnert sich Iris Murray und bedauert, dass sie sich als Außenseiterin mit guten Ergebnissen nicht allzu viele Freunde gemacht hat. Aber es hat sie nicht vom Weg abgebracht, im Gegenteil, sie hat die Herausforderungen angenommen. Früh hatte sie begriffen, dass sie sich nur von jenen beeinflussen lassen wollte, die es tatsächlich besser machten als sie und die Neider – so gut es ging – zu ignorieren. Sie betont heute, wie wichtig es war, Kritik anzunehmen, daraus zu lernen und sich von erfahrenen, klugen Persönlichkeiten etwas sagen zu lassen.

Unbändige, untypische Frau

Dazu kam, dass sie gerade als Frau – noch dazu als blutjunge Reiterin – ganz vorne mitmischte. „Niemand hat mich damals wirklich ernst genommen, auch wenn ich wieder einmal allen weit davon geritten bin.“ Tägliches Training, Pferdeversorgen und Ausmisten noch vor der Schule, Sponsorensuche, Turniererfahrung sammeln – der Sport bringt eine gewisse Härte mit sich, räumt Iris nachdenklich ein, er ist vor allem hier im Land als wenig „fraulich“ angesehen worden, man galt eher als draufgängerisch. Und sie musste tatsächlich oft genug „ihren Mann stehen“, galt als unbefangen und nicht als „typische“, gesittete oder geordnete Frau, und das hat man sie auch spüren lassen. – Unbeirrt war Iris Murray dennoch jahrelang die erfolgreichste Reiterin ihrer Klasse in Vorarlberg. Sie hatte gelernt, dass der Gegenwind sie stärkte – mit jeder Hürde hat sich ihr Ziel verfestigt. Heute sagt sie, sie würde es trotz aller Rückschläge wieder genauso machen. „Man darf keine Angst davor haben, aus der Reihe zu fallen oder auch einmal ‘anders zu sein‘“, meint sie rückblickend. Ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen, war zu der Zeit nach wie vor ihr erklärter Traum. Gleichzeitig wusste sie mittlerweile, dass das ohne finanziellen Hintergrund so gut wie unmöglich war. Neben ihrem Training, machte sie daher die Matura, finanzierte sich durch zahlreiche Nebenjobs ihr Studium an der Pädagogischen Hochschule, arbeitete als Lehrerin, kurze Zeit sogar als Flugbegleiterin. Stehen zu bleiben und sich nicht weiterzubilden, kam für Iris Murray nie in Frage. Aber immer wieder kehrte sie in den Pferdestall zurück.

Zusammenhalt und Grenzen

Als sie dann ihren späteren Mann kennenlernte, eröffneten sich neue Möglichkeiten. „Da bin ich ganz ehrlich“, sagt sie, „mit ihm habe ich es geschafft, meinen Erfolg über die Österreichischen Grenzen zu tragen. Du brauchst einfach jemanden, der dich unterstützt“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich längst von Vorarlberg gelöst. „Ich hätte mich auch lösen MÜSSEN, um meinen Weg weiter zu gehen. Weil Vorarlberg für mich einfach Grenzen gesetzt hat.“ Im Nachhinein betrachtet, sieht Iris das „Auswandern“, das räumliche Kappen der Wurzeln, als notwendiges Übel, um Erfolg zu haben. Und sie räumt ein: „Eigentlich war ich immer sehr neugierig und daher fiel es mir leicht, mich von zuhause zu lösen, Neues auszuprobieren, die Welt zu entdecken.“ Es bedeutete für sie aber auch eine schmerzliche Distanz zur Familie und zu Freunden. Einige Bindungen musste sie für ihren Weg lockern, andere sogar überhaupt aufgeben. Umso mehr schätzt sie es immer wieder, nach Hause zurück zu kommen – und wenn auch nur für kurze Zeit. In dieser Beziehung wirkt die Kleinheit des Landes positiv auf sie, vor allem der Zusammenhalt, den sie erfährt wenn sie auf Besuch in ihre Heimatstadt kommt. – „das ist der Unterschied zur Großstadt, wo alles so anonym ist, dass man sich schon mal alleine fühlen kann, das Kleine ist manchmal nicht so schlecht – es schafft Werte und Moral. Aber es grenzt eben auch ein. Und Wien ist irgendwie internationaler, es ist schon sehr viel einfacher hier, sich zu verwirklichen.“

Alles hat seinen Preis

Der Sprung ins Leben eines Profisportlers bedeutet nicht nur Höhenflüge und Ruhm: Denn auf Ehrgeiz folgte Stress – Iris wollte immer mehr und höher hinauf in ihrer Sportlerkarriere. Und das kostet nicht nur Geld, sondern auch Aufwand und Energie. Mit ihrem Team war sie in ganz Europa unterwegs, sammelte sogar Weltcuppunkte und reiste zu Turnieren bis nach Russland. „Wir waren teilweise vier Tage lang für ein Turnier unterwegs und wenn du dann ohne Erfolg wieder abziehen musst, dann kann das schon sehr ernüchternd sein“, erzählt sie, „dein Leben besteht dann nämlich nur noch daraus, dich auf die Turniere vorzubereiten, dort hin- und wieder nach Hause zu fahren.“ Als Profisportler hatte Iris Murray erlebt, wie hoch man schwebt wenn man am Sonntag gewinnt, „dann bist du der große Star, einen Tag lang interessant, hast am Montag ein paar Interviewtermine und am Dienstag musst du wieder in den Sattel steigen um am Mittwoch nicht vergessen zu werden“. Es bedeutete körperliche und nervliche Anstrengung, kurzen Triumph, und wieder von vorne anfangen. Auf Dauer allerdings empfand es Iris Murray nicht als befriedigend obwohl sie an der internationalen Spitze angelangt war.

Erntezeit

Heute, mit Ende Dreißig, ist Iris Murray eine Größe in ihrem Sport, kann Weltcuppunkte verbuchen, hat sich einen Namen in der Szene gemacht, kann auf ihre Erfolge zurückblicken und profitiert von ihrem reichen Erfahrungsschatz im Pferde-Geschäft. Diesen setzt sie zurzeit auf ihrer eigenen Reitanlage in Niederösterreich um. Als staatlich geprüfte Reittrainerin bildet sie Pferde und ihre Reiter aus – mit den Erfahrungen, die sie in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt hat. Sie hat gemerkt, dass der finanzielle Hintergrund allein keine guten Reiter macht – auch die „Elite“ braucht gute Trainer und Ausbildner. „Ich habe mit extrem teuren Tieren gearbeitet, mit sehr erfolgreichen. Ich traue mich zu sagen, dass ich weiß, wie man mit ihnen umgeht und ich kann sie ausbilden – und von dem lebe ich jetzt.“ Iris Murray kann ihr Wissen heute umsetzen und verkaufen. Sie ist zufrieden und möchte, dass es genauso bleibt, wie es ist. „Ich bin angekommen“, sagt sie.

http://www.teiritzhof.at

Verfasst im Dezember 2016

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