Brigitta Fink

Kostümbildnerin für Kino, Fernsehen, Theater und Werbung

Die Kostümdesignerin arbeitet hautnah mit Kino- und Fernsehstars zusammen und ist wesentlich dafür verantwortlich, dass sich deren Rollen auch optisch glaubwürdig umsetzen lassen. Aufmerksam geworden sind wir auf die Kostümbildnerin, als wir im Dezember 2016 im Abspann der Österreichischen Fernseh-Produktion „Das Sacher“ den Namen Brigitta Fink entdeckten. „Das ist ganz bestimmt eine Vorarlbergerin“, dachten wir. – Wir hatten damit zwar nicht Recht, erfuhren aber, dass Brigitta Fink drei ihrer Studienjahre in Dornbirn verbracht hat. Noch dazu war sie unter anderem für die Kostüme zweier Produktionen des Vorarlberger Regisseurs Reinhold Bilgeri verantwortlich: für die TV-Romanverfilmung von „Alles Fleisch ist Gras“ – das Buch dazu stammt übrigens aus der Feder des Vorarlberger Autors Christian Mähr – sowie für Bilgeris ersten Kinofilm „Der Atem des Himmels“. Grund genug für uns also, Kontakt mit Brigitta Fink aufzunehmen.

Nette Menschen und viel Sonne

Brigitta Fink ist also keine gebürtige Vorarlbergerin und wir lernen: der Name „Fink“ ist auch in Südtirol, woher die Kostümbildnerin ursprünglich stammt, ein gängiger Nachname. Heute wohnt Brigitta Fink in Wien und ist Mitglied beim dort ansässigen „Verband Österreichischer FilmausstatterInnen“, einer Interessensvertretung der Berufsgruppen für Szenen- und Kostümbild, Garderobe und Requisite. Aber egal, wo sich die Künstlerin gerade aufhält, am wohlsten fühlt sie sich, wenn sie „nette Menschen und viel Sonne“ um sich herum spürt. Ein ganz besonderer Lichtstrahl für die Zukunft sollte für Brigitta Fink – und das freute uns ganz besonders – ausgerechnet ein Porträt über eine Frau werden. Und zwar jenes über die international erfolgreiche Kostümbildnerin Frida Parmeggiani, das sie als junges Mädchen gelesen hatte. Inga Hosp, eine Autorin und Kulturpublizistin hatte 1986 in ihrem Buch „Südtirol von außen“ über die jahrzehntelang unangefochtene Königin der Bühnenkostümgestaltung geschrieben. Parmeggiani und ihr berufliches Leben faszinierten die junge Brigitta und besiegelten den Wunsch, ihre berufliche Laufbahn in diese Richtung einzuschlagen.

Brigitta Fink

Foto: Petro Domenigg

Ein Schubs in die weite Welt

Widerstände gegenüber ihrer Berufswahl hat Brigitta Fink nie gespürt. Im Gegenteil, sagt sie, „meine Mutter hat mich immer sehr unterstützt und mir eher noch einen Schubs für die weite Welt gegeben“. Dieser „Schubs“ führte sie Ende der 1980er Jahre zunächst nach Dornbirn an die Höhere Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie. „Es war eben im Bereich Schneiderei und Mode die am nächsten gelegene Ausbildungsmöglichkeit“, sagt sie. Drei Jahre lang besuchte Brigitta Fink dort die Modeklasse und schwärmt heute vor allem von der Freiheit, die sie als Jugendliche fern der Heimat in Vorarlberg genossen hat. Das Ländle und seine Menschen – vor allem auch die Sprache, der Vorarlberger Dialekt – sind ihr in dieser Zeit ans Herz gewachsen, sagt sie rückblickend, der übliche und leider oft hartnäckige Nebel im herbstlichen Rheintal eher weniger …

Im wirklichen Leben lernen

Und trotzdem – so schön und wichtig diese Ausbildung als Basis für ihren weiteren Berufsweg war, die wirklich ausschlaggebenden Erfahrungen hat Brigitta Fink im wirklichen Arbeitsleben gemacht. Ihre ersten Assistenzjahre führten die junge Kostümbildnerin unter anderem nach Italien, Schweden, nach Deutschland und Afrika, über Großbritannien bis nach China. Brigitta Fink spricht neben Deutsch auch Italienisch und Englisch. Gelernt hat sie also auf der ganzen Welt – zunächst beim Theater, später beim Film als langjährige Assistentin von diversen Kostümbildnerinnen. Es waren dann auch die Auslandsaufenthalte, durch die sie später bei großen, internationalen Filmen mitwirken konnte. – Kinobegeisterte erinnern sich bestimmt an „Le Temps du loup – Wolfszeit“ und „Das weiße Band“ unter der Regie von Michael Haneke oder „Anonymous“ unter der Regie von Roland Emmerich. Wer sich den einen oder anderen Film wieder einmal ansieht, der weiß jetzt: bei den Kostümen für diese Kinostreifen hat Brigitta Fink als Kostüm-Assistentin (für die großen, deutschen Kostümbildnerinnen Lisy Christl und die 2016 verstorbene Moidele Bickel) mitgewirkt und dabei vieles für das mitgenommen, was sie heute selbst als Kostümbildnerin auszeichnet. „Diese Erfahrung war für mich sehr wichtig um andere Dimensionen kennen zu lernen“, sagt Brigitta Fink heute.

Diskretion ist oberstes Gesetz

Große Kino- und Fernsehfilme bedeuten auch eine enge Zusammenarbeit mit Schauspiel- und Regiegrößen. Und nur wer sensibel mit Menschen umgehen kann und den richtigen Blick für Persönlichkeiten und Rollen entwickelt, der kann im Bereich der Ausstattung selbst groß werden. Das heißt also für Brigitta Fink, dass sie selbst sehr nahen Kontakt mit Prominenz aus Film, Fernsehen und Theater erfahren hat und immer wieder erlebt. Und zum leisen Bedauern neugieriger Porträtschreiberinnen ist die Kostümbildnerin auch in diesem Bereich ganz Profi: „Diskretion ist oberstes Gebot“, ist ihre schlichte Antwort auf unsere Frage nach ein, zwei Erlebnissen bei den Dreharbeiten beispielsweise zum kürzlich ausgestrahlten „Sacher“-Zweiteiler.

Kostümbild als Frauendomäne

Nach wie vor wird das Metier „Kostümbild“ von Frauen dominiert, erzählt Brigitta Fink. In ihrem Bereich hat sie es daher nie erlebt, sich stärker gegen männliche Konkurrenz behaupten zu müssen – das Thema „Emanzipation“ hat sie nie abwertend erfahren. – Anders als in den Bereichen „Produktion“ und „Regie“, wo sie immer noch beobachten kann, dass es Frauen schwerer haben, sich zu etablieren. Aber auch in diesem Feld der Filmindustrie sei einiges in Bewegung. Als Beispiel nennt Brigitta Fink den Österreichischen Verein „FC Gloria“, eine Gruppe von „Individuen aus verschiedensten Bereichen der Filmbranche, die es sich zum Ziel gesetzt haben, einander und weibliche Filmschaffende im Generellen aktiv zu unterstützen und stärken“.

Die Kunst, Freizeit zu nutzen

Wer nur einmal die Möglichkeit hatte, hinter die Kulissen einer Filmproduktion zu blicken, der weiß, wie geballt und dicht die Arbeitszeit bis zur Ausstrahlung ist. Da bleibt in der Projektphase wenig Zeit für anderes. „Mittlerweile aber kennen Familie, Freunde und Partner mein berufliches Dasein“, sagt Brigitta Fink, „die Kunst ist es, die plötzlich viele Freizeit zwischen den Projekten zu nützen“. Und da scheinen wir Porträtschreiberinnen wirklich Glück gehabt zu haben: Denn gleich nach den Dreharbeiten für „Das Sacher“ hat anscheinend der Vorarlberg Regisseur Reinhold Bilgeri für sein nächstes Filmprojekt (er startet ja bekanntlich heuer, 2017, mit den Dreharbeiten zur Lebensgeschichte des Österreichischen Skirennläufers Erik Schinegger) wieder bei Brigitta Fink angeklopft. Und das wertet die Kostümbildnerin als einen ihrer schönsten, persönlichen Erfolge: nämlich, „wenn man auch für den dritten Film wieder vom Regisseur gefragt wird, wie gerade Bilgeri das tat“.

Wir sind gespannt und werden dann im Kino ganz besonders auf die Kostüme achten!

Verfasst im Jänner 2017

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