Katharina Waibel

Kräuterfachfrau, Psychiatrische Krankenschwester, Buchautorin

Die Hohenemserin sieht die Natur als große Lehrmeisterin unseres Lebens. Je mehr Katharina Waibel über die Kraft der Pflanzen weiß, desto mehr kann sie ihre Liebe zur Natur mit jener zu den Menschen verbinden: Es ist ihr nämlich ein Anliegen, mit ihrem Wissen zu helfen und ihre Erfahrungen weiterzugeben. Seit 30 Jahren arbeitet sie als Diplomierte Psychiatrische Krankenpflegerin, seit über 15 Jahre gibt sie Kurse über Heilpflanzen. Katharina Waibels „Wildes Weiber Wissen“ ist spätestens seit ihrem ersten Buch auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Wir treffen Katharina Waibel in ihrem Zuhause in Hohenems. Die Hausmauer neben dem Parkplatz ist mit Efeu bewachsen, „Frauenparkplatz“ steht auf einem Schild geschrieben, darunter lehnen ein paar Reisig(hexen)besen. „Ein Geschenk zum Fünfziger“, lacht Katharina Waibel und bittet uns ins Haus.

Mit Heilpflanzenwissen aufgewachsen

Katharina Waibel ist in Bezau im Bregenzerwald aufgewachsen, „sehr frei, mit Feldern, Wäldern und Bächen rund ums Haus. Meine Kindheitserinnerungen sind gleichzusetzen mit Draußensein“. Ihr Wissen über die Natur hat Katharina schon von ihren Eltern mitbekommen: „Ich bin damit aufgewachsen, das war für uns gar nichts Besonderes. Ich hatte das große Glück, ganz selbstverständlich von Heilpflanzen und Heilpflanzenwissen umgeben gewesen zu sein. Daher kann ich sagen, dass ich mich schon mein ganzes Leben lang mit Heilpflanzen, deren Anwendung und Zubereitung befasse. Meine Mama hat immer schon Tee gesammelt. Es war immer irgendwas da, das gerade am Trocknen war. Und mein Däta hat selbst Salben hergestellt, Wurzeln gekocht und Schnaps gebrannt. Jeder der beiden hat jeweils für sich eine ganz eigene Pflanzenlinie verfolgt: Mama mehr mit Tee und Blumen, Papa mehr mit Wurzeln und Salben“. Keiner der beiden hat das Pflanzenwissen übrigens beruflich umgesetzt: Katharinas Vater ging zur Arbeit ins Sägewerk und zu den Vorarlberger Kraftwerken, und ihre Mutter hat sich zuhause um die kleine Landwirtschaft, später dann auch um die hofeigenen Ferienzimmer sowie um die fünf Kinder gekümmert. Katharina Waibel ist mit zwei Schwestern und zwei Brüdern aufgewachsen.

Sehnsuchtsort im Tal

Bereits als junges Mädchen ist Katharina Waibel von zuhause ausgezogen. „Ich hab mich schon ganz früh raus getraut über die Berge“, schmunzelt sie und wird gleich wieder ernst: „Ich hatte das Gefühl, dass ich weg muss. Weg von der Enge des Bregenzerwaldes. Weg in die Weiten des Tales. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich dort, wo die Bregenzerache hinfließt, einmal leben möchte. Das war für mich so ein Sehnsuchtsort. Ich hatte den Alten Rhein und seine Landschaften rundherum immer schon gemocht. Ich mag auch heute noch lieber weite Landschaften. Ich mache zwar sehr gerne Ausflüge in die Berge, aber zum Leben brauche ich die Weite.“

Das Bedürfnis, anderen zu helfen, war immer da

Im Alter von 15 Jahren ist Katharina Waibel dann tatsächlich nach Dornbirn gezogen und hat sich ihren Lebensunterhalt im dortigen Spital zunächst als Stockmädchen auf der Gynäkologie verdient. Bald stand für sie endgültig fest, dass sie Krankenschwester werden wollte. „Das Bedürfnis, anderen zu helfen, war eigentlich immer da. Ich wollte schon im Alter von vier Jahren Krankenschwester werden. Mich hat dabei auch immer schon die Psyche interessiert, das, was Menschen bewegt“, erzählt sie rückblickend. Katharina Waibel hat sich also an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Bregenz angemeldet. „Nun war es dann aber so, dass der damalige Primar Schmidt von der Gynäkologie in Dornbirn sich für den Werdegang aller Mitarbeiter auf seiner Station interessiert hat – auch für den der Stockmädchen! Eines Tages hat er mich deshalb ins Spital nach Rankweil mitgenommen, wo auch psychisch kranke Menschen behandelt wurden. Das hat mich fasziniert. Dort wollte ich arbeiten!“ Katharina Waibel wartete also, bis sie 18 Jahre alt war, um dann sofort an der Psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil die Ausbildung zur Psychiatrischen Krankenschwester zu beginnen.

„Ich habe nach meinem Abschluss ein halbes Jahr gearbeitet und bin dann schwanger geworden“, erzählt Katharina Waibel. „Nach der Geburt unserer Tochter haben mein Mann und ich weiterhin in Rankweil gewohnt. Während meines Karenzjahres bin ich mit meiner Tochter im Tragetuch wieder ins Spital gegangen, um mich für eine Teilzeitstelle und einen Kindergartenplatz anzumelden. Da hat man mich aber nur groß angesehen und gemeint: Das ist nur in sozialen Härtefällen möglich. Wenn man einen Mann hat, muss man ja nicht 50 Prozent arbeiten. Also kommen Sie ganz oder gar nicht. Also habe ich mich verabschiedet…“

©Katharina Waibel - "Wildes Weiber Wissen"

Sozialpsychiatrische Intensivbetreuung

Danach musste sich Katharina Waibel erst mal überlegen, was sie jetzt machen sollte. Als dann eine Stelle in der Hauskrankenpflege frei geworden ist, hat sie die Chance ergriffen. Ihre berufliche Laufbahn führte sie nach Wil in die Ostschweiz, wo sie in der Psychiatrie gearbeitet hat. „Damals sind einige Vorarlberger dorthin zur Arbeit gegangen, denn dort konnte man Teilzeit arbeiten. Ich hatte Spät- und Frühdienste, und meine Tochter wurde in der Zwischenzeit von ihrer Oma betreut.“

Als ihre Tochter älter wurde, verlagerte Katharina Waibel ihre Arbeitsstätte wieder zurück nach Vorarlberg und arbeitete 18 Jahre lang bei Pro-Mente Dornbirn (eine Einrichtung für psychosoziale Gesundheit, die im Auftrag des Landes Vorarlberg ambulante sozialpsychiatrische Betreuung, Krisenhilfe und Prävention anbietet) und im Anschluss fünf Jahre beim Institut für Sozialdienste , wo sie mit der sozialpsychiatrischen Intensivbetreuung von hochgradig verhaltensauffälligen, kognitiv eingeschränkten und psychisch kranken Jugendlichen betraut war. Zwei Jahre lang hatte Katharina die Leitung dieser Abteilung inne. „Wir haben die Jugendlichen eins zu eins betreut. In eigenen Wohnungen haben wir Familien-Settings aufgebaut. Es war eine sehr betreuungsintensive Art der Arbeit und sehr, sehr nah. Aber das hat mir auch viel erklärt: Ich habe vieles von dem verstanden, was einen Menschen zu dem werden lässt, was er ist…“, sagt Katharina Waibel.

Psychohygiene in der Natur

Derzeit arbeitet die Diplomierte Psychiatrische Krankenschwester in der gerontopsychiatrischen Hauskrankenpflege im Raum Rankweil-Übersaxen-Meiningen. Ein Teilzeitjob. Drei Mal in der Woche macht sie Hausbesuche, nebenher ihre Kräuterkurse. „Ich bin in der Hauskrankenpflege mit dem E-Bike unterwegs und radle von Haus zu Haus – eben dorthin, wo psychiatrische Unterstützung gebraucht wird. Ich mache Demenzberatung, betreue Angehörige, die überfordert sind in der Pflege daheim und Menschen, die paranoide Züge haben. Man ist heutzutage immer mehr allein, und man darf in der Gesellschaft auch nicht mehr komisch sein. Ich muss dann hin und wieder auch den Angehörigen sagen, dass das schrullige alte Mütterlein, das vielleicht ein bisschen stinkt und vor sich hinbrabbelt, auch einfach so sein darf. Das ist noch nicht strafbar oder gefährlich“, schmunzelt Katharina Weibel.

Ihre eigene Psychohygiene findet sie in der Natur. „Ich geh dann raus und spreche mit der Natur. Ich bekomme auch eine Art Antwort. Die liegt dann nämlich meist in der Frage selbst, ich spüre dann wieder meinen Weg, ich weiß Bescheid, kenne mich wieder aus, bin aufgeladen. Ich bin wieder geerdet. Diese Kraft und Ursprünglichkeit ist es, die den Mensch zur notwendigen Ruhe und Einsicht kommen lässt.“

Katharina Waibel ist sich sicher: „Pflanzen sind nichts anderes als Ausformungen oder Ausdruck von Göttlichkeit. Die Hilfe, die wir brauchen, ist da. In den unterschiedlichsten Formen.“ Die Kräuterfachfrau ist keinesfalls ein Gegner der Schulmedizin. Sie betont vielmehr, „dass wir in vielen Bereichen heilfroh sein müssen, dass es sie gibt. Natürlich muss man heute nicht mehr an einer Blinddarmentzündung sterben! Und es gibt beispielsweise zwar Pflanzen, die antibiotisch wirken, aber eben viel zu langsam für manche Krankheiten. Ich glaube, dass beides, die Naturheilkunde und die Schulmedizin, gut neben- und miteinander bestehen können“.

Über die Gesetzmäßigkeiten der Natur und des eigenen Körpers Bescheid zu wissen, ist in Katharina Waibels Augen eine Voraussetzung für Menschen, die ihre eigene Kraft entwickeln möchten. „Uraltes Wissen von Heilpflanzen, Wurzeln und Räucherwerk unterstützen diesen Weg“, sagt sie. „Um das jenen, die es lernen wollen, zu erleichtern, habe ich für meine beiden Bücher („Wildes Weiber Wissen, das wundersame Kräuterjahr“, 2013 und „Wilde Weiber Wünsche, Pflanzen, Sehnsucht und Begierden“, 2015, beide im Bucherverlag erschienen) ein System entwickelt: Ich habe für die 52 Wochen eines Jahres 48 Pflanzen und Gottheiten ausgewählt und sie aufgrund ihrer eigenen Botschaften und Wirkungsweisen den Jahreszeiten zugeordnet. Große Bäume und wertvolle Heilpflanzen, aber auch giftige Pflanzen, die uns von ihrem Wissen erzählen. Gottheiten aus unterschiedlichen Kulturen versinnbildlichen und ergänzen die Botschaft der einzelnen Jahreszeiten. (Link zur Homepage von Katharina Waibel ).

Ob sie sich denn selbst als „Wildes Weib“ bezeichnen würde, wollen wir dann zum Abschluss doch noch von ihr wissen: „Im Sinne von nicht ganz angepasst, ja!“, antwortet Katharina Waibel prompt, „so definiere ich das Wilde Weib“. Das „Wilde Weib“ macht übrigens gerade eine Ausbildung, die sich „Emotionale Prozessarbeit“ nennt und deshalb, sagt sie, „fliege ich morgen nach Berlin. In der Ausbildung geht es um die eigenen Organe und was sie uns zu sagen haben“….

Verfasst im Juli 2017

Und so sieht sich Katharina Waibel selbst:

Ich kann lieben, lachen und weinen.
Glücklich sein.
Zaubern.
Wertvolle, hochwirksame Elixiere
und magisches Räucherwerk herstellen.
Bücher schreiben.
Tee kochen.
Tief berühren und küssen.
Mit den Pflanzen reden.
Mit Kindern lachen.
Schaukeln im Mondlicht.
Durch samtene Seen schwimmen.
Mich von Seerosen küssen lassen.
Im Dunkeln sehen.
Feuer machen.
Berge besteigen.
Den Schnee riechen.
Trösten.
Traurig sein.
Kochen.
Genießen.
Mit Pfeil und Bogen schießen.
Pfeifen.
Laut lachen und laut niesen.
Und singen.

Katharina

2 Kommentare
    • schwarz-auf-weiss
      schwarz-auf-weiss sagte:

      Liebe Hildetraud,
      herzlichen Dank für deine stets wohlwollenden Kommentare – wir freuen uns über jeden einzelnen :-) Viel Spaß weiterhin beim Lesen!
      Alles Liebe von Angelika, Claudia und Elisabeth

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