Caroline Baldauf

Seifenmacherin und Geschäftsführerin

Die gebürtige Bregenzerwäderin lebt seit 25 Jahren in der Schweiz, wo sie vor einem Jahr mit einer eigenen Filiale von „Wiener Seife“ ins Familiengeschäft eingestiegen ist. Die Schweizer Niederlassung von Caroline Baldauf befindet sich in Arth, einem malerischen Ort direkt am Zugersee – die perfekte Kulisse, um ein kleines Stück duftender Tradition in Szene zu setzen. Wieder belebt worden ist die Marke „Wiener Seife“ vor über zehn Jahren in Wien von Carolines Mutter Sonja Baldauf. Sie hatte das Glück, in ein uraltes Geheimrezept eines Wiener Seifensieders eingeweiht worden zu sein.

Allein schon der Anblick des kitschig spätsommerlich-glitzernden Zugersees war unseren Ausflug ins Schweizerische Arth wert. Der idyllisch gelegene Ort direkt am See liegt rund zwei Autostunden von der Vorarlberger Grenze entfernt. Die Umgebung, der Duft der Seifen in der kleinen Boutique mitten im Ortskern und nicht zuletzt der familiäre Empfang durch Caroline Baldauf und ihrer Mama Sonja – zufällig gerade zu Besuch bei ihrer Tochter – verliehen unserem „Schwarz-auf-Weiß“-Interview eine bezaubernd mediterrane Atmosphäre.

Titelfoto: ©“Wiener Seife“

Zur Schule mit den Wälderbus

Caroline Baldauf in Doren/Bregenzerwald; Foto: ©

Caroline Baldauf in Doren/Bregenzerwald; Foto: ©“Wiener Seife“

Während Sonja Baldauf bereits nach den ersten Worten mit uns Ländle-Frauen mühelos wieder in den Bregenzerwälder Dialekt fällt, hat ihre Tochter die Schweizer Mundart bereits voll und ganz angenommen. Ihre Kinder- und Schulzeit hat Caroline Baldauf noch in Vorarlberg verbracht: sie ist in Doren, einer 1000-Seelen-Gemeinde im Norden des Bregenzerwaldes aufgewachsen. „Durch die frühe Trennung meiner Eltern habe ich meine Kindheit zu einem großen Teil im Elternhaus meiner Mama, also bei meinen Großeltern verbracht. Ich habe sehr angenehme Erinnerungen an meine Kindheit: Oma und Opa hatten ein Haus mit einem riesigen gepflegten Garten, drum herum war ein Wald. Ich war viel draußen. Weil ich in Bregenz zur Volksschule gegangen bin, musste ich mit dem Wälderbus hin- und herpendeln“, erinnert sich die Mitte-30-Jährige und muss bei der Erinnerung daran ein bisschen schmunzeln.

Ihr Wohnsitz hat sich ein wenig später dann nach Bregenz verlagert, Caroline Baldauf hat dort nämlich auch das Gymnasium besucht: „Das war eine wirklich gute Zeit, ich bin gern dort in die Schule gegangen. Meine Mama hat zunächst ebenfalls in Bregenz gearbeitet, war später dann aber als Grafikerin in der Schweiz beschäftigt.“ Sonja Baldauf legte damit quasi den Grundstein für das schweizerisch-österreichische Band, das mittlerweile in zweiter Tradition gepflegt wird: Caroline ist bis heute sehr gerne und immer wieder einmal bei ihrer Oma in Doren zu Besuch – und Mama Sonja sowieso.

Vom Gsiberger Dialekt zum Schwiizerdütsch

Danach haben sich einige „wegweisende Lebensentscheidungen“ – wie es Caroline Baldauf nennt – gleichzeitig ergeben. Ihre Mutter erhielt die Möglichkeit, ihren beruflichen Lebensmittelpunkt vom grenznahen Altstätten ins weiter entfernte Zug zu verlegen. Pendeln war dadurch natürlich nicht mehr möglich. Zur gleichen Zeit hat Sonja Baldauf auch ihren heutigen Lebenspartner Christoph Hegglin aus Arth kennen gelernt (übrigens ein gelernter Banker, der später gemeinsam mit Sonja das Seifensieden, -produzieren und -verkaufen ebenfalls zu seinem Hauptberuf gemacht hat…). „Ich war damals elf Jahre alt und kann mich noch gut daran erinnern, dass mich meine Mama gefragt hat, was ich davon halten würde, ganz in die Schweiz zu ziehen“, erzählt Tochter Caroline. „Ich fand das alles sehr aufregend und cool. Ich musste da gar nicht lange überlegen und war gleich dabei. Ich war immer schon ein sehr offener und neugieriger Mensch, probiere immer wieder gerne mal etwas Neues aus. Das widerspiegelt sich eigentlich auch in meinem bisherigen beruflichen Werdegang“, philosophiert sie.

Die Familie ist also nach Baar nahe Zug gezogen – „von Arth aus gesehen auf der anderen Seite des Zugersees“, erklärt Caroline Baldauf. „Ich musste mich zwar schulisch ein wenig umstellen, natürlich auch sprachlich“, lacht sie. „Aber als Vorarlbergerin ist das wirklich sehr schnell gegangen, zudem war ich in einem Alter, in dem man sich rasch und unkompliziert anpassen kann – und auch will. Ich konnte innerhalb eines Jahres so gut Schweizerdeutsch, dass kaum jemand mehr auf die Idee kam, dass ich ursprünglich nicht von hier stamme. Ich habe mich von Beginn an sehr wohl gefühlt in meinem neuen Zuhause. Und das ist bis heute so geblieben“, betont die Wahlschweizerin.

Duschgels nach und nach verschwunden

Kurz vor Beginn ihrer Studienzeit lenkte erneut eine Entscheidung ihrer Mutter das Schicksal in eine ganz besondere Richtung. Zunächst allerdings blieben Caroline Baldaufs Zukunftspläne davon noch ganz unberührt und sie begann, Lebensmitteltechnologie zu studieren. Ihre Mutter hatte unterdessen eine Fernsehdokumentation über die Herstellung und Geschichte von Seifen gesehen und war sofort fasziniert. „Von einem Tag auf den anderen hat es bei uns daheim nur mehr Seifen gegeben. Die herkömmlichen Dusch- und Reinigungsgels sowie Schampons sind nach und nach aus unserem Bad verschwunden. Meine Mama war total fasziniert, das Thema hat sie komplett vereinnahmt, sie war buchstäblich verrückt danach“, erzählt Tochter Caroline heute. „Sie ist dann tatsächlich nach Wien gefahren und hat den letzten Seifensieder von Stadlau, nämlich Friedrich Weiss persönlich kennen gelernt.“

Wiener Seife

Gemeinsam haben Sonja Baldauf und Friedrich Weiss schließlich Pläne geschmiedet, die „Wiener Seife“ auf Basis eines uralten Geheimrezeptes auch in die Schweiz zu bringen. „Kurz bevor sie alles in die Tat umsetzen konnten, ist der Über-70-Jährige allerdings plötzlich und für alle völlig überraschend verstorben.“ Das war im Frühling 2006. Sonja Baldauf hat an ihrem Traum dennoch festgehalten und das Lebenswerk des Wiener Seifensieders wenige Monate später mit einem eigenen Geschäft weitergeführt – zwar nicht wie ursprünglich geplant in der Schweiz, sondern in Wien. Die ganze (Vor-) Geschichte der „Wiener Seife“ gibt es hier zum Nachlesen: Homepage von „Wiener Seife“.

Mittlerweile haben Sonja Baldauf und ihr Partner Christoph Hegglin ihr Geschäft im dritten Wiener Gemeindebezirk komplett erneuert und vergangenes Jahr ihre erste Filiale mitten in der Wiener Innenstadt eröffnet. Caroline Baldauf ist damals nicht mit ihrer Mutter nach Wien gegangen, sondern in der Schweiz geblieben, um weiter zu studieren. „Ich bin zwar immer wieder mal nach Wien gereist und habe im Geschäft mitgeholfen – beim Wändestreichen zum Beispiel“, lacht sie.

Caroline Baldauf hat dann ihr Studium beendet und ein bisschen später mit ihrer Arbeit als Qualitätsmanagerin im Produktionsbetrieb von „Estée Lauder“ in Lachen am Zürichsee begonnen. „Die Firma liefert von dort aus ihre Parfums in die ganze Welt. Ich bin dadurch auch viel gereist, war in New York, Belgien und England. Ein sehr spannender, internationaler Job mit einem riesigen Team, den ich dann auch sieben Jahre ausgeübt habe.“

Danach fand Caroline Baldauf es an der Zeit, etwas Neues zu lernen. Sie hat nebenbei einen Lehrgang in der Verpackungsentwicklung absolviert, „weil ich einfach nach meiner doch recht trockenen und sehr streng regulativen Arbeit Lust auf etwas Kreatives, Schöpferisches hatte“, erklärt sie. Caroline hat schließlich ihren Job in Lachen gekündigt und ist für ein paar Monate nach Wien zu ihrer Familie gezogen. Von dort aus wollte sie eine neue Arbeitsstelle suchen und nebenher endlich den Familien-Betrieb näher und besser kennen lernen.“ Ich habe in diesen Monaten auch wirklich viel gelernt, bin immer tiefer eingetaucht in dieses uralte Traditionshandwerk der Seifensiederei und auch in die überlieferten Rezepte von Friedrich Weiss eingeweiht worden. Wir haben auch an neuen Mixturen getüftelt – eine tolle Zeit“, schwärmt sie.

Es sollte dennoch ein paar Jahre dauern, bis Caroline dann so richtig Geschmack am Seifengeschäft fand. In der Zwischenzeit hatte sie eine Stelle beim Schokoladeproduzenten „Chocolats Halba“ in Pratteln in der Schweiz angenommen, wo sie in der Verpackungsentwicklung gearbeitet hat. „Ich wollte einfach das, was ich gelernt hatte, auch umsetzen – endlich konnte ich meine kreative Ader einsetzen. Und trotzdem: die Erfahrungen und Erlebnisse in unserem kleinen Familienbetrieb haben mich von da an nicht mehr losgelassen… Zudem hatte ich nach meinen Tätigkeiten in großen Konzernen immer mehr Lust darauf, meine Energie, meine Zeit und mein Wissen in einer kleinen Manufaktur umzusetzen statt in der Großindustrie. Dort erlebt und verantwortet man die Resultate seines eigenen Schaffens unmittelbar.“

Von der Teamarbeiterin zur Einzelkämpferin

Nach Wien umziehen und dort ins familiäre Seifengeschäft einsteigen wollte Caroline Baldauf allerdings auf keinen Fall. Das stand fest, denn dazu fühlte sie sich in ihrer Schweizer Wahlheimat viel zu wohl. „Im Nachhinein betrachtet, hat sich dann alles sehr schnell entwickelt: der Gedanke einer eigenen Seifenboutique hat sich so rasend schnell weiter entwickelt, dass ich sehr bald darauf schon in Arth meine eigene Filiale unserer Wiener Seife Schweiz eröffnen konnte. Das war im Oktober vergangenen Jahres. Seither bin ich wirklich sehr glücklich damit. Geschäftlich haben sich alle meine Erwartungen bisher mehr als erfüllt.“ – Auch wenn die Umstellung in einen „Ein-Frau-Betrieb“ nicht ganz einfach gewesen sei, gesteht Caroline Baldauf, die es ja gewohnt war, in großen Betrieben mit vielen Menschen gemeinsam und in großen Teams zu arbeiten:
„Ich habe als Geschäftsführerin ein breites, spannendes Arbeitsspektrum: Einkauf, Marketing, Verkauf, Buchhaltung, Entwicklung und vieles mehr. Aber die Last liegt nun natürlich allein auf meinen Schultern. Das gewohnte Team fehlt manchmal, dann fühle ich mich schon noch ein bisschen einsam in meinem Geschäft. Aber bevor sich dieses Gefühl ausbreiten kann, geht meist eh schon wieder die Ladentüre auf“, lacht sie. „Zudem binde ich mich aktiv ins Dorfgeschehen ein, gehe auf Messen, knüpfe Kontakte und stehe in intensivem Austausch mit meiner Wiener Basis, meine Seifen werden ja nach wie vor von meiner Familie produziert. Wir besuchen uns gegenseitig – wie eben zurzeit gerade – sehr häufig.“

Derzeit leistet Caroline Baldauf mit ihrem Seifengeschäft in Arth ein bisschen Pionierarbeit. „Denn im Gegensatz zu Wien, wo es ähnlich wie in Portugal, Frankreich und vielen südeuropäische Ländern eine richtige Tradition des Seifensiedens gibt, ist das in der Schweiz gar nicht so verankert“, erklärt die Geschäftsinhaberin. „Ich merke aber auch hier den Trend und die Rückbesinnung hin zum Ursprünglichen. -Auch bei immer mehr jungen Menschen. Die Seife ist ja eine sehr ursprüngliche Art der Reinigung. Zu mir kommen viele Leute, die sehr natur- und körperbewusst sind.“

„Wiener Seife“ in Arth; Foto: ©“Wiener Seife“

Caroline Baldauf hat ihre Öffnungszeiten dem Dorfgeschehen angepasst: „Wenn ich merke, dass beispielsweise am Mittwoch im Ort nie was los ist, dann halte ich stattdessen lieber am Samstag offen. Das muss ich eben immer ein bisschen im Auge behalten. Meine Kunden kommen überwiegend aus der Region. Aber es kommt gar nicht so selten vor, dass Menschen extra von weit herkommen – etwa von Zermatt oder Bern, um hier einzukaufen. Das freut mich dann natürlich ganz besonders“, sagt sie zufrieden. Mundpropaganda sei einer ihrer wichtigsten Werbeträger – neben dem Internet: über den Online-Shop beliefert sie unter anderem die gesamte Schweiz, also nicht nur den deutschsprachigen, sondern auch den französischen und italienischen Teil. „Natürlich ist mein Standort hier begrenzt, das ist klar“, räumt Caroline Baldauf ein „- da wäre der nächste größere Schritt sicherlich ein Standbein in der nächsten größeren Stadt. Zürich könnte ich mir gut vorstellen. Aber das sind im Moment einfach nur Visionen…“

Und dann wäre da ja auch noch ihre Oma, die bei den Besuchen ihrer Tochter und Enkelin immer wieder einmal nachfragt, ob nicht auch der Bregenzerwald eine „Wiener Seife“-Boutique vertragen könnte.
Wer weiß?

Verfasst im September 2018

„Schwarz auf Weiß“ zu Besuch bei „Wiener Seife“ in Arth/Schweiz; Foto: ©“Schwarz auf Weiß“

Beitrag mit weiteren Bildern von unserem Besuch in der Seifenboutique „Wiener Seife Schweiz“ in Arth in unseren News:

10.September 2018: „Duftes“ Porträt

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