Daniela Eiterer

Bioladen- und Café-Inhaberin

Vor bald vier Jahren hat die gebürtige Götznerin ihr berufliches Leben komplett umgekrempelt, quasi ihre Nächte wieder zu Tagen gemacht und umgekehrt: Daniela Eiterer hat nämlich ihren jahrelangen Job als – teils selbständige – Barkeeperin aufgegeben und Anfang 2015 das „Frida“ in der Hohenemser Marktstraße eröffnet, einen Bioladen samt Café. Statt Cocktails serviert die Gastronomin seither erfolgreich vegetarische Suppen und Eintöpfe, verkauft statt Alkohol regionales Gemüse und Obst aus kontrolliert biologischem Anbau. Daniela Eiterer ist nach wie vor viel beschäftigt, „aber ich bin endlich richtig glücklich mit dem, was ich mache“, betont sie.

Und das spüren auch die Gäste und Kunden im „Frida“. Wir haben für unser „Schwarz auf Weiß“-Interview einen Zeitpunkt kurz nach Mittag vereinbart, „dann müsste der größte Ansturm vorbei sein“, war die Geschäftsinhaberin überzeugt. Bei unserem Eintreffen war dann jeder einzelne der bunt zusammengewürfelten Stühle und Sesseln besetzt, und es herrschte gemütliche Wohnzimmeratmosphäre. Keiner hatte es eilig, auch wenn man mittlerweile ordentlich zusammenrücken muss in dem kleinen Bioladen-Café.

Titelfoto: ©Hannah Zudrell

Suche nach dem eigenen Weg

Aufgewachsen am Götznerberg hat Daniela Eiterer eine „wilde und freie Kindheit genossen. Wir waren viel draußen in der Natur“, erzählt die mit einigem Abstand jüngste von drei Schwestern. „Eine tolle Zeit. Frei. Genauso möchte ich es meinem Sohn auch ermöglichen“, sagt die Ende-30-Jährige, die vor acht Monaten Mama geworden ist.
Nach der Trennung ihrer Eltern ist sie als Zwölfjährige mit ihrer Mutter „vom Berg herunter ins Dorf“ gezogen. „Es war eine Zeit, in der ich intensiv nach meinem eigenen Ich, nach meiner Identität, nach meinem eigenen Weg gesucht habe. Ich bin ein sehr sensibler Mensch, der gut in andere, aber auch in sich selbst hineinhorchen kann. Ich war viel unterwegs, überall dabei, viel furt – wie es in Vorarlberg heißt. Diese Zeit war für mich sehr prägend. Ich habe gemerkt, dass ich zu einem gewissen Grad selbst dafür verantwortlich bin, was in meinem Leben passiert. Diese Suche nach dem eigenen Weg hat mich sehr stark gemacht. Das merke ich bis heute.“

Arbeiten wenn andere schlafen

Gleich nach ihrer Lehre als Einzelhandelskauffrau hat Daniela Eiterer begonnen, in der Gastronomie zu arbeiten – fast ausschließlich am Abend und in der Nacht, zunächst für ein halbes Jahr in Australien, danach wieder zuhause in Vorarlberg. 15 Jahre lang hat sie in der Nachtgastronomie ihr Geld verdient, hatte unter anderem mit dem „Schlössle“ in Götzis eine Zeit lang sogar eigene Bars geleitet. Dennoch war sie immer noch auf der Suche: „Ich hatte immer die Hoffnung: Wenn ich das jetzt mache, dann… Aber es kam nichts. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das alles einfach nicht das ist, was ich eigentlich für mein Leben wollte. Ich habe vor lauter Arbeit meinen Weg aus den Augen verloren, war elf bis 14 Stunden täglich – beziehungsweise jede Nacht – beschäftigt. Und wenn ich zwischendurch einmal frei hatte, musste ich einkaufen gehen und meinen Alltag organisieren.“

Daniela bekräftigt im Rückblick, dass sie ihre Arbeit gerne und auch gut gemacht hat, dennoch hat es sie einfach nicht glücklich gemacht. „Ich habe gearbeitet, wenn andere gefeiert oder geschlafen haben. Es war kaum möglich, eine richtige Beziehung aufzubauen. Und in Urlaub zu gehen war als Selbständige ohnehin kaum drin. So ein Leben ist lustig und aufregend, wenn man ganz jung ist, eine Party nach der anderen eben. Aber irgendwann ist es dann nur noch anstrengend: die Menschen, mit denen man umgeben ist, sind meist betrunken oder nicht in Stimmung für ernsthafte Unterhaltungen. Die Bar in Götzis lief super und eigentlich hätte ich zufrieden sein müssen – war ich aber nicht.“

Burnout oder Reißleine

Um ihren 30. Geburtstag herum hat Daniela Eiterer schließlich gemerkt, dass sie aufhören und umdenken muss, um nicht in ein Burnout zu rutschen. „So konnte ich nicht mehr weitermachen. Ich habe meine Bar aufgegeben und in einem Restaurant in Liechtenstein ein Jahr lang einfach nur als Küchenhilfe gearbeitet. Ich hatte dort seit vielen, vielen Jahren erstmals am Abend frei. Das erste Mal in meinem bisherigen Berufsleben!
Und ich habe gemerkt, was das für eine Lebensqualität ist. Ich hatte endlich Zeit, auf mich selbst zu achten und mir etwas Neues zu überlegen.“ Daniela Eiterer hat ihre Ernährung umgestellt. Die Vegetarierin setzt sich seither ganz bewusst mit Nahrungsmitteln und der eigenen Ernährung auseinander. Wenn es einem selbst gut geht, wenn man auf sich schaut, dann schafft man alles viel leichter, man hat einfach mehr Kraft und Motivation.“

Wenn ich etwas vorhabe, mache ich es

Schließlich war es zur Idee, ein eigenes Café mit gesunden und vegetarischen Speisen zu eröffnen, nicht mehr weit. „Und wenn ich etwas vorhabe, dann mache ich es auch. Mein Problem ist eher, dass ich zu viele Ideen habe und ich dann auch immer alles gleich machen möchte. Das bedeutet natürlich Stress für mein Umfeld und für mich schließlich auch, weil mein Kopf dann immer überall und woanders ist“, lacht sie.
Gemeinsam mit ihrer Cousine, einer Yogalehrerin, hat Daniela Eiterer bald darauf wilde und handfeste Pläne geschmiedet, Ideen wieder verworfen und manche weiter entwickelt. „Meine Gastro-Erfahrung war natürlich von Anfang an sehr viel wert. Ich wusste, wie streng es in dieser Branche sein kann und was ungefähr auf mich zukommen würde. Von Beginn an war für mich aufgrund dieser Erfahrungen der Bioladen als zweites Standbein neben dem Café ein Muss. Aber da wir eh gesund kochen wollten, eigene Suppen und Eintöpfe beispielsweise, war es naheliegend, dass die Produkte auch gleich im Laden angeboten werden sollten. Erstens natürlich für uns zum Verwerten – somit bleibt nichts übrig, zweitens als Anregung für die Café-Gäste und dann natürlich zum Verkauf“, erklärt Daniela Eiterer ihr Konzept, mit dem sie dann ein halbes Jahr später auch in die Umsetzung gegangen ist.

Neueröffnung durch Crowdfunding

Zunächst galt es, mögliche Räumlichkeiten für ein Café zu finden. „Wir hatten zunächst das dreistöckige Haus des Großvaters meiner Cousine in Götzis im Visier. Die Gemeinde hat dann allerdings ein bereits etabliertes Unternehmen als Mieter vorgezogen…“

„Frida“ - Bioladen und Café; Foto: ©Hannah Zudrell/„Frida“

„Frida“ – Bioladen und Café; Foto: ©Hannah Zudrell/„Frida“

Gelandet sind die beiden Frauen dann schließlich in Hohenems – noch zu einer Zeit, in der die Marktstraße nicht das war, was sie seit kurzem ist: nämlich eine aufblühende Gasse mit mehreren, zumeist kreativen und daher sehr individuellen Läden. „2015 waren wir erst das zweite Geschäft, das hier eröffnet hat. Damals haben viele noch sehr skeptisch auf mein Vorhaben reagiert. Aber als ich die Räumlichkeiten und vor allem den hübschen Innenhof für einen Gastgarten gesehen habe, war ich sofort überzeugt“, schwärmt Daniela und betont: „Und das bin ich bis heute!“

Tatsächlich eröffnen konnte Daniela Eiterer ihr „Frida“ schließlich über ein offizielles „Online-Crowdfunding“, also eine Art der freiwilligen Gruppenfinanzierung, die vor allem jungen Sturtups den Einstieg ermöglicht: „Innerhalb von zwei Monaten haben wir 12.000 Euro zusammen gebracht. 130 Privatpersonen haben sich über den Kauf kleiner, selbstgemachter Geschenke beteiligt. Fünf Firmen haben Geld für uns in die Hand genommen und uns großzügig unterstützt, weil auch sie von der Idee überzeugt waren. Das war eine richtig spannende Zeit, denn das Crowdfunding hat ordentlich viel Medienecho und Mundpropaganda nach sich gezogen. Das hat uns dann einen tollen Start beschert.“

Möbel und Geschirr aus zweiter Hand

Die Einrichtung im „Frida“ sollte so viel wie möglich aus alten Möbeln und gebrauchtem Inventar bestehen. Auch hier sollte nichts verschwendet, alles ressourcenschonend aufgebaut werden. „Noch heute kommen Leute vorbei und schenken uns Geschirr, Einrichtungsgegenstände und Küchenutensilien“, freut sich Daniela Eiterer. „Wenn wir mit einem Geschenk nichts anfangen können, dann schenken wir es einfach weiter. Die Leute lieben das! Diese Schenk- und Tauschgeschäfte kommen gut an, genauso wie es unsere Gäste gerne sehen, wenn den alten Sachen neues Leben eingehaucht wird.“ Neben den gebrauchten Möbeln ist einiges auch selbst gemacht: „Mein Partner ist gelernter Schlosser, er hat sehr viel selbst gebaut, Regale und Tische beispielsweise.“

„Frida“ - Bioladen und Café; Foto: ©„Frida“

„Frida“ – Bioladen und Café; Foto: ©„Frida“

Daniela Eiterer hat heute sechs Mitarbeiterinnen. „Allesamt tolle Mädels, die voll hinter der Idee stehen. Sonst wäre das alles gar nicht möglich. Der Umgang unter uns ist sehr vertraut und respektvoll. Ich kann mich auf mein Team verlassen. Und das ist wunderschön.“ Danielas Cousine und „Frida“-Mitbegründerin übrigens widmet sich mittlerweile wieder hauptberuflich ihrer Yoga-Tätigkeit.

Kleine Bio-Betriebe und heimische Landwirtschaft

Der Großteil der Produkte, die im „Frida“ angeboten werden, bezieht das Team möglichst unverpackt, plastikfrei und saisonal von heimischen Bauern und ausgewählten Betrieben. „Wir arbeiten mit 15 kleinen, zertifizierten Bio-Betrieben zusammen, die wir uns persönlich angesehen haben. Wir bieten zwar keine Fleisch- und Wurstwaren an, wollten aber wissen, wie die Tiere leben, die für uns beispielsweise die Milch oder die Eier produzieren. Wir wollten uns selbst davon überzeugen, dass sie gut gehalten werden“, erklärt die Geschäftsinhaberin. „Es ist mittlerweile schon ziemlich viel an Produkten bei uns im Land zu bekommen. Aber natürlich können wir nicht ausschließlich regionale und saisonale Ware anbieten, denn sonst wäre es zeitweise in den Regalen sehr leer. Menschen sind es gewohnt, viel von allem kaufen zu können. Ein gewisses Grundsortiment muss einfach da sein, und das beziehen wir auch aus dem benachbarten Ausland. Allerdings ist auch diese Ware zertifiziert.“

Ein breites Sortiment anbieten zu können ist das eine. Auf der anderen Seite merkt Daniela Eiterer auch, wie sehr sich ihre Gäste und Kunden mit ihrer Nahrung auseinandersetzen wollen. Das Bewusstsein für das eigene Essen werde immer größer, vor allem auch bei den Jungen: „Ich glaube, wir haben genau zur richtigen Zeit eröffnet. Dieses Bewusstsein wächst nach wie vor.“ Das Team im „Frida“ kocht daher täglich frisch und mit einem anderen Schwerpunkt. Das jeweilige Menü erfahren die Gäste handgeschrieben auf der schwarzen Schiefertafel direkt im Café, per Homepage oder via soziale Medien. Auch wer sich einfach überraschen lässt, wird nicht enttäuscht.

„Ich hatte früher immer wieder einmal das Gefühl, ich könnte wohl nie glücklich sein. Und heute bin ich der glücklichste Mensch überhaupt“, ist sich die Gastronomin sicher. „Dieses Leben mit Frida kann man mit meinem Leben davor nicht vergleichen. Ein Riesenunterschied! Ich geh jeden Tag gerne in meinen Laden und hab die volle Gaude. Dieses Gefühl möchte ich auch meinen Mädchen hier im Team vermitteln.“
Daniela Eiterer ist auch überzeugt davon, dass sie ohne ihre Neuorientierung nie eine Mutter hätte sein können. „Durch das Frida konnte ich nach der Geburt meines Sohnes vier Monate lang zu Hause bleiben. Jetzt ist mein Partner in Karenz, und mein Arbeitstag dauert von 5.00 Uhr früh bis ungefähr 15.00 Uhr. Danach kann ich guten Gewissens meine Zeit mit meinem Kleinen verbringen. Denn ich weiß ja, dass mein Team im Frida ist und ich mich auf sie verlassen kann.“

Fridas süße Seiten

Das „Frida“-Team hat soeben auch ein Kochbuch auf den Markt gebracht. Durch Zufall haben die Frauen nämlich die Kunst des Rohkost-Kuchenbackens für sich entdeckt: „Wir hatten einmal ein Problem mit einem defekten Backofen und aus der Not einfach eine Tugend gemacht: In den vergangenen Jahren haben wir immer mehr Rohkost-Rezepte für Kuchen, Pralinen und andere Leckereien entwickelt, die gut angekommen sind.“

„Fridas süße Seiten“; Foto: ©Hannah Zudrell/„Frida“

Und weil so viele nach den Zutaten gefragt haben, haben die „Frida“-Frauen ihre Rezepte nun in einem Buch zusammen getragen. „Wir haben eine Werbegrafikerin, eine Fotografin und eine Kalligrafin in unserem Team und konnten damit auch die Gestaltung von Fridas süße Seiten selbst übernehmen.“

Mittlerweile könnte Daniela Eiterer in ihrem Bioladen-Cafe die doppelte Menge servieren, wenn sie alle Nachfragen erfüllen wollte. „Wir platzen aus allen Nähten, und zeitweise ist es hier schon ziemlich eng“, gibt sie zu. Dennoch hat sie bereits Anfragen nach weiteren Filialen abgelehnt. Es soll bei einem einzigen Standort bleiben. „Aber falls es hier in Hohenems zufällig die perfekten Räumlichkeiten mit ein paar Quadratmetern mehr geben sollte, dann sehen wir uns das bestimmt an“, verspricht Daniela Eiterer mit Augenzwinkern. „Aber momentan sind wir einfach sehr, sehr glücklich mit dem, was wir hier haben.“

Verfasst im November 2018

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