Katarina Rankovic

Gastronomin, Geschäftsführerin, Speiseeis-Produzentin und Eiskreationen-Erfinderin

Spätestens nach ihrem Sieg bei der „Gelato World Tour“ ist die „Eismanufaktur Kolibri“ den Speiseeisliebhabern in und um Vorarlberg ein Begriff. Ihre Eigentümerin ist die gebürtige Altacherin Katarina Rankovic. Innerhalb von fünf Jahren hat die Gastronomin die Traditionseisdiele in Wolfurt übernommen, ausgebaut und um zwei Geschäftsfilialen im Raum Feldkirch erweitert. Die Vorarlberger Manufaktur bietet mit einer Mischung aus traditionellen und außergewöhnlichen Eis-Kreationen genussvolle Abwechslung für alle kleinen und großen Schleckermäuler. Mit Vorliebe verarbeitet das „Kolibri“-Team regionales Obst (und ja: auch Gemüse!) sowie Kräuter zu Speiseeis.

Bei unserem Besuch in Katarina Rankovics Eismanufaktur mit angrenzender Eisdiele in Wolfurt duftet es ganz köstlich nach frischen Waffeln. „Das ist das einzige, bei dem ich nicht persönlich meine Finger im Spiel hab“, lacht sie, „weil ich handwerklich und technisch zwei linke Hände habe. Deshalb werden unsere hausgemachten Dinkelmehlwaffeln von unseren vier Waffelbäckerinnen gezaubert – täglich frisch übrigens“. Die eigenen Fähigkeiten zu kennen, aber auch zu wissen, was einem eher nicht so liegt, das ist nach Ansicht der Gastronomin ein ganz wichtiger Punkt, um als Selbständige erfolgreich arbeiten zu können.

Titelfotos: ©Lars Wieser

Eigene Limonaden-Kreationen im Kinderkaufmannsladen

Das dafür nötige gesunde Selbstbewusstsein und -vertrauen habe sie aus ihrer Kindheit mitgenommen: „Wir sind zu Hause so erzogen worden, dass wir uns unserer Stärken bewusst sein durften, gleichzeitig haben wir gelernt, den Boden nicht zu verlieren. Wir durften uns ausprobieren und sind motiviert worden, uns weiterzuentwickeln. Man hat mir nie das Gefühl vermittelt, dass ich irgendetwas, das ich gerne machte, nicht kann oder nicht schaffen kann. Auf der anderen Seite habe ich gelernt, mich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.“ Heute merkt Katarina Rankovic, dass ihr diese Mischung gerade in der Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern sehr zugutekommt. Dass das nicht nur leere Wort sind, merkt man spätestens dann, wenn sich die Geschäftsführerin nicht zu schade ist, in jedem Bereich selbst mit anzupacken, wenn es gerade nötig ist.

Katarina Rankovic – sie selbst stellt sich gern mit „Kati“ vor – ist gemeinsam mit einem jüngeren und einem älteren Bruder in Altach aufgewachsen. Von Mamas reichem Kräutergarten profitieren heute ihre Eiskreationen, Papas Fähigkeiten als Elektrotechniker kamen beim Renovieren der Eisdiele mehrfach zum Einsatz. Und sie selbst habe es schon als kleines Mädchen geliebt, Nachbarn und Passanten die eigenen Orangenlimonaden und Zitronensäfte im Kinderkaufmannsladen vor der Haustüre anzubieten: „Ich hatte damals schon den Drang, etwas Selbstgemachtes zu verkaufen“, schmunzelt sie.

Von der Schule in die Eisdiele

Wenig verwunderlich also, dass sie auch während ihrer Schulzeit in der „HLW Rankweil“ immer schon lieber jene Fächer mochte, in denen sie „etwas aktiv machen und danach auch ein Ergebnis sehen konnte. Ich mochte Rechnungswesen und Sprachen, weil es da Resultate gab und sich etwas weiterentwickelte. Das Abstrakte lag mir weniger“. Mit der Matura und der Gastronomie-Konzession in der Tasche hat sie nach der Schule einen Universitätslehrgang im Fach „Tourismuswirtschaft“ in Wien absolviert, „ich wollte danach auch in diesem Bereich Fuß in Vorarlberg fassen, was aber zu dem Zeitpunkt leider nirgendwo möglich war. Alle guten Stellen waren besetzt und in ein anderes (Bundes)Land wollte ich nicht umziehen – auch der Arlberg war mir zu weit weg, um dort fix zu arbeiten“.

Statt lange zu warten oder Jobs anzunehmen, die sie eigentlich nicht wollte, hat Katarina Rankovic kurzerhand umgesattelt und an der „Pädagogischen Hochschule in Feldkirch“ eine Lehramtsausbildung gemacht. Danach hat sie insgesamt acht Jahre lang an Mittelschulen in Bregenz und in Hittisau im Bregenzerwald unterrichtet. „Ein schöner Beruf, aber nach den paar Jahren habe ich gemerkt, dass das auf Dauer für meinen Geschmack zu wenig Abwechslung und persönliche Weiterentwicklung bietet. Und ich habe begonnen, mich nach Alternativen umzusehen.“ Diesmal sollte es endlich ein Bereich sein, in dem sie selbst etwas herstellen könnte. Der Gedanke an eine eigene Eisdiele („…im Leiblachtal war so etwas schon längst überfällig…“) wurde immer verlockender.

Eismanufaktur Kolibri

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©“Eismanufaktur Kolibri“

Durch Zufall hat Katarina Rankovic dann erfahren, dass Peter Schmidhofer – Besitzer und Betreiber der seit 1990 bestehenden Eisdiele „Kolibri“ in Wolfurt – langsam aber sicher mit dem Ruhestand liebäugelte. Und weil Kati nicht nur die Abwechslung liebt, sondern auch offen für Neues ist und (sich) gerne ausprobiert, hat sie nicht gezögert und 2013 die Eisdiele mit allem was dazu gehörte übernommen und erweitert. Eine Zeit lang hat sie Vollzeit in der Schule unterrichtet und gleichzeitig ihr neues Berufsprojekt vorangetrieben. „Ich bin täglich nach dem Unterricht nach Wolfurt gefahren und habe experimentiert, gelernt, im Verkauf gearbeitet und umgebaut. Ich war und bin immer noch fasziniert davon, wenn sich etwas weiterentwickelt. Ich mag die Herausforderung, habe auch keine Angst, Ideen umzusetzen und fürchte mich nicht vor dem Scheitern“, erklärt die Ende-30-Jährige selbstbewusst.

Eine Mischung aus Bewährtem und Neuem

„Der große Vorteil in meinem Fall war natürlich, dass das Kolibri bereits vor meiner Übernahme einen hervorragenden Ruf hatte. Ich weiß, dass das alleine natürlich kein Garant dafür ist, dass auch danach alles so reibungslos und erfolgreich weiter läuft. Man muss das vorgegebene Niveau natürlich halten und mit der Zeit auch ausbauen können“.
Mit dem Knowhow des passionierten Eisproduzenten Peter Schmidhofer, seiner jahrelangen Erfahrung und einem eingespielten Mitarbeiterteam an ihrer Seite, hat Katarina Rankovic sich dann in eine – bis heute immer wieder aufs Neue faszinierende – Welt der Eisproduktion mitnehmen lassen. „Auch sein damaliges Team hat mich vor allem zu Beginn sehr unterstützt und ist mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Einige dieser Mitarbeiter sind bis heute mit dabei. Peter hat sein Wissen an mich weitergegeben, und das war und ist sehr, sehr viel wert.“ Peters Schmidhofers altbewährteste Rezepte finden sich heute in der „Eismanufaktur Kolibri“ immer noch im Angebot, genauso wie komplett neue Eiskreationen, die nach und nach dazu gekommen sind:

Bildhinweise:
Foto 1: Limette-Minze aus der Eismanufaktur „Kolibri“; Foto: ©Lars Wieser
Foto 2: Rosmarin mit karamellisierten Walnüssen aus der Eismanufaktur „Kolibri“; Foto: ©Lars Wieser

Waldmeister-, Basilikum, Brennnessel- und Gurkeneis

Eismanufaktur „Kolibri“; Foto: ©“Schwarz auf Weiß“

Eismanufaktur „Kolibri“; Foto: ©“Schwarz auf Weiß“

„Fast täglich probieren wir neue Rezepturen aus“, verrät die Eismacherin „auch mit weniger bekannten Eissorten wie Gurke, Brennnessel, Löwenzahn und Basilikum. Die halbe Eisvitrine ist für die täglich wechselnden Sorten reserviert, da ist kein Tag wie der andere. Die andere Hälfte füllen wir mit den Klassikern“. Es kann auch ganz spontan passieren, dass Kati und ihr Team an einer neuen Sorte tüfteln: „Erst gestern war beispielsweise eine Dame bei uns, die uns Waldmeister mitgebracht hat – und schon haben wir wieder etwas Neues ausprobiert!“

Das „Kolibri“-Team arbeitet gerne mit dem, was gerade saisonal anfällt. „Unser Fruchteis wird ausschließlich aus frischen Früchten und Beeren statt mit künstlichem Pulver hergestellt. Wenn wir beispielsweise Zwetschgeneis machen, dann entkernen wir eben von Hand jedes einzelne Stück Obst. Man kann sich da mit den Sorten und Zutaten so richtig austoben, wenn man das Handwerk einmal beherrscht“, schwärmt sie. „Die Kunden sind mehr und mehr an den Zutaten interessiert, fragen auch nach den Rohstoffen und legen Wert auf Eis mit echten Früchten.“ Was Katarina Rankovic zudem vermehrt spürt, ist die Nachfrage nach Eis mit weniger Zucker oder jene nach veganem Eis. Jeden Samstag bietet das „Kolibri“ deshalb mittlerweile eine vegane Cremesorte an, „und die ist immer recht schnell leergekauft“, freut sich die Geschäftsführerin.

Sieg bei der Gelato World Tour in Berlin

Im vergangenen Jahr konnte die Eismanufaktur mit einer ihrer Kreationen beim Wettbewerb „Gelato World Tour“ in Berlin sogar den Siegertitel für Österreich einfahren. Ihre „Königin des Sommers“ aus Joghurt mit Limette, Minze und Brombeere hatte sowohl bei der Jury als auch dem Publikum am meisten überzeugt. Das Kolibri-Team durfte anschließend nach Rimini/Italien reisen, um beim Weltfinale eine der besten Eiskreationen aus 20 Nationen zu präsentieren. „Es sind dadurch doch einige auf uns aufmerksam geworden, die uns vorher nicht gekannt hatten“, sagt Katarina Rankovic rückblickend. „Die gute alte Mundpropaganda ist aber nach wie vor die beste Werbung im Eisgeschäft.“

Geschäftsführerin, Eisproduzentin, Gastronomin, …

Eismanufaktur „Kolibri“; Foto: ©“Schwarz auf Weiß“

Eismanufaktur „Kolibri“; Foto: ©“Schwarz auf Weiß“

Katarina Rankovic bezeichnet ihren heutigen Beruf als „ideal für mich. Und zwar deshalb, weil ich da in so vielen Aufgabenbereichen arbeiten kann: Ich bin Gastronomin, Produzentin, Verkäuferin, Organisatorin, Sekretärin, Social-Media-Beauftragte, Personalchefin – und vor allem kann ich experimentieren und ausprobieren. Am allerliebsten arbeite ich deshalb in der Produktion: da habe ich drei fixe Dienste in der Woche, die um vier Uhr in der Früh beginnen. Bei viel Betrieb kann sich mein Arbeitstag schon einmal bis 19 Uhr hinziehen, der Sonntag ist meist so ein Monsterarbeitstag. Und solche Tage kommen schon um die 20 Mal pro Saison vor…“ Es sei zwar richtig viel Arbeit, nickt Kati, aber sie liebe es nach wie vor und habe noch in keinem einzigen Moment gedacht, nicht arbeiten und lieber im Schwimmbad liegen zu wollen: „Man muss wohl schon der Typ dafür sein und die Arbeit wirklich machen wollen. Und man muss hinter dem Produkt stehen, und da bin ich so richtig hinein- und mitgewachsen“, bilanziert sie.

Inzwischen ist das „Kolibri“ um zwei weitere Eisdielen gewachsen: die erste Filiale im Feldkircher Stadtteil Nofels gibt es seit 2015. Katarina Rankovic erzählt, dass sie recht schnell wusste, dass sie expandieren würde. „Die Räumlichkeiten in Nofels habe ich übrigens zufällig nach einer nur zweitägigen Suche im Internet gefunden. Der Standort hat sich sehr gut bewährt. Und seit dem vergangenen Jahr gibt es nun auch noch ein weiteres Kolibri in der Feldkircher Innenstadt.“ Die Eismanufaktur in Wolfurt beliefert zudem über 30 Gastronomie- und Hotelbetriebe in Vorarlberg, Tirol und im angrenzenden deutschen Raum. Mittlerweile stehen ihr in der Hochsaison bis zu 35 (Teilzeit-, Aushilfs- und Saison-)Mitarbeiter zu Seite. Der fixe Kern ihres Teams besteht aus einem guten Dutzend.

Kolibri wird weiter wachsen

Innerhalb von fünf Jahren ist also sehr viel vorwärts gegangen. Ganz nach Katis Geschmack. Während der Wintermonate – wenn nicht gerade die Produktion von Winter- und Weihnachtseis ansteht – bleibt ihr ein bisschen Zeit, um vorauszuplanen und Neues zu entwickeln. „Stehenbleiben spielt sich als Selbständige natürlich nicht“, betont sie. Winterschlaf gibt es also auch für Speiseeismacher keinen. Urlaub im Sommer ist in ihrem Beruf natürlich utopisch, der wird eben in den Herbst verlagert. Und die Freizeit wird bei Katarina Rankovic in die Abende verschoben, die sie dann gerne mit Freunden und ihrem Partner verbringt. Eis essen gehen steht übrigens eher selten auf dem Programm „- außer ich entdecke irgendwo ein neues Geschäft“, räumt sie ein. „In Wien etwa gibt es viele tolle Eisläden, in die ich auch sehr gerne gehe.“

In nächster Zukunft wird die „Eismanufaktur Kolibri“ übrigens wieder ein Stückchen weiter wachsen. Katarina Rankovic eröffnet im kommenden Jahr in Frastanz noch eine Filiale: „Wir sind dann mitten im Ort mit einer Eisdiele dabei – und zwar im künftigen „Saminapark“, der gerade gebaut wird. Abgesehen davon schwirren mir noch ganz viele neue Ideen im Kopf herum, die alle darauf warten, realisiert zu werden. Mal sehen, was wir davon alles umsetzen werden“, lacht sie.

Wir werden jedenfalls gespannt abwarten und Eis essen!

Verfasst im Mai 2018

In der Eisdiele „Kolibri“ in Wolfurt; Foto: ©“Schwarz auf Weiss“

In der Eisdiele „Kolibri“ in Wolfurt; Foto: ©“Schwarz auf Weiß“

Beitrag mit weiteren Bildern von unserem Eisdielenbesuch in unseren News:

12.Mai 2018: „Schwarz auf Eis“

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