Nina Bröll

Fotografin

Die 22-jährige Dornbirnerin ist eine der jüngsten Berufsfotografinnen in Vorarlberg. Vor vier Jahren hat sie sich selbständig gemacht, mittlerweile hat Nina Bröll ihr eigenes Büro in Schwarzach und arbeitet von dort aus gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen. Nina Bröll hat die Fähigkeit, Emotionen einzufangen. „Vielleicht auch deshalb, weil ich selbst ein sehr emotionaler Mensch bin“, fügt sie im „Schwarz auf Weiß“-Interview hinzu.

Nina Bröll hat erkannt, dass sie ein feines Gespür für Schwingungen und zwischenmenschliche Verbindungen hat und sich selbst sehr schnell von Emotionen mitreißen lässt, „- vielleicht ein bisschen stärker als manch anderer. Das ist nicht immer ein Vorteil für mich“, gesteht sie. „Aber beim Fotografieren kommt mir das sehr zugute.“ Die 22-Jährige setzt ihre feinen Antennen nicht nur bei Hochzeiten und Familienfeierlichkeiten ein, sondern auch bei der Gestaltung von Werbebildern: „Ich arbeite gerne daran, Emotionen in ein Produkt hineinzubringen und Menschen und Gegenstände zusammen zu bringen.“

Titelfoto: ©Tania Timkova – „Neverending Magic“

Zuhause im Dreiländerblick

Nina Bröll ist mit vielen Menschen um sie herum aufgewachsen: Sie ist ein „Gastronomiekind“, der Familienbetrieb „Dreiländerblick“ oberhalb von Dornbirn ist zunächst von ihren Großeltern geführt worden, mittlerweile hat ihr Onkel den Gasthof übernommen. „Ich war schon als kleines Kind an der Seite meiner Mama, wenn sie gearbeitet hat. Später habe ich ihr dann geholfen. Ich habe auch in meiner Freizeit und am Wochenende mit angepackt und habe das immer als sehr positiv gesehen. Ich war gerne mit meiner Mama zusammen und habe es sehr genossen, Seite an Seite mit ihr zu arbeiten. Was gibt es denn Schöneres für ein Kind? Ich jedenfalls habe es so empfunden. Der Dreiländerblick war mein zweites Zuhause, es war eine wunderschöne Zeit.“
Im Rückblick betrachtet, hat das Arbeiten immer schon zu ihrem Leben dazu gehört, reflektiert Nina Bröll: „Ich hatte immer etwas zu tun, aber ich habe das nie als Belastung empfunden. Vielleicht ist Arbeiten deshalb auch irgendwie selbstverständlich für mich geworden. Das war einfach schon immer ein Teil von mir und meinem Leben…“

Zwei große Leidenschaften

In welchem Bereich Nina Bröll ihre Arbeitskraft investieren würde, war zunächst allerdings noch nicht ganz klar, „ich habe mich für vieles interessiert und war immer schon ein begeisterungsfähiger Mensch“, erklärt die 22-Jährige: „Ich habe durch meine Mitarbeit im Familienbetrieb eine große Leidenschaft zum Kochen entwickelt – ich liebe es bis heute und es war und ist neben der Fotografie eine meiner zwei ganz großen Interessensgebiete, die ich mir auch als Beruf gut vorstellen konnte.“

Liebe zur Fotografie bereits als Kind

Nina Bröll hat ein altes Foto zuhause, auf dem sie als Dreijährige zu sehen ist – mit einer Kamera in der Hand: „Ich habe damals schon einige Filme verknipst. Das hat man mir zumindest erzählt, denn so richtig erinnern kann ich mich natürlich nicht daran“, lacht sie. Bewusst geworden ist ihr ihre Liebe zum Fotografieren in einem Alter von acht Jahren, als ihr Vater ihr eine Kamera geschenkt hat. „Er hat damals sein Geld zusammengekratzt, um mir diesen Apparat zu kaufen. Das hat mich richtig motiviert!“
Nina hat dann als Volksschulkind angefangen, für Familie, Freunde und sogar die Schule zu fotografieren: „Ich war quasi der Schulfotograf“, erinnert sie sich. „Und als ich elf Jahre alt war, habe ich mir meine erste eigene Spiegelreflex-Kamera gekauft. Von meinem Taschengeld, das ich mir in der Gastronomie verdient habe.“

Fünf verschiedene Lehrabschlüsse

Bis zur Ausbildung als Fotografin sollte es allerdings noch ein Weilchen dauern. Zunächst hat Nina Bröll das „Bäuerliche Schul-und Bildungszentrum Vorarlberg“ besucht. Ihr Elternhaus befindet sich in Alberschwende, wo ihre Mutter und deren Partner noch heute einen kleinen bäuerlichen Hof bewirtschaften. „Sie haben Kälber, Schweine und Hühner. Meine Mama imkert selbst.“

„Broell Fotografie“; ©Nina Bröll

„Broell Fotografie“; ©Nina Bröll

Nina Bröll selbst hat allerdings immer gewusst, dass sie nicht in die Landwirtschaft einsteigen wollte: „Ich hatte eben immer schon eine Leidenschaft für den Kreativbereich. Aber die Landwirtschaftsschule war super!“, schwärmt sie: „Ich habe so vieles gelernt, das ich bis heute noch gut brauchen kann: über Marmeladeeinkochen und Betriebswirtschaft bis hin zu Handarbeiten. Ich kann mich für vieles motivieren, probiere vieles aus – sei es in der Freizeit als auch im Beruf. Dadurch habe ich heute insgesamt fünf verschiedene Lehrabschlüsse. Nicht weil ich die brauche, sondern weil mich einfach so vieles interessiert hat, das an der Schule angeboten worden ist. Und deshalb bin ich heute unter anderem zum Beispiel Betriebsdienstleistungskauffrau und ähnliches“, schmunzelt Nina Bröll.

Selbständig mit 18

Neben der Schule hat sich Nina Bröll für eine Fotografen-Lehre beworben, hat die Stelle bekommen und ist ein Jahr lang dort geblieben, um dann an eine Privatschule nach Tirol zu wechseln. „Ich habe mein gesamtes Erspartes investiert und die Fotografenschule abgeschlossen. Gleich nach meinem 18. Geburtstag habe ich mich als Inhaberin von „Broell Fotografie“ selbständig gemacht, um die geforderten Praxisstunden für die Lehrabschlussprüfung nachweisen zu können. Ich habe zu dieser Zeit viel assistiert. Das finde ich sehr wichtig – auch heute noch. Dadurch habe ich viele Fotografen kennengelernt, die mir bis heute diverse Aufträge weiterleiten.“

Aus der Not ist längst eine Tugend geworden: Nina Bröll hat sich in ihrer Selbständigkeit gut zurechtgefunden. „Mittlerweile läuft es rund, ich bin keine Kleinunternehmerin mehr.“ Allerdings ist ihr bei dieser Geschwindigkeit zwischendurch auch schon mal mulmig geworden: „Ich habe dann richtig Respekt vor meinem eigenen Mut“, gibt die Fotografin ehrlich zu: „Gerade wenn man bei Kollegen mitbekommt, wie schwierig es ist, wenn es einmal nicht so gut läuft. Es ist ein Risiko. Das ist mir jeden Tag bewusst. Die Kosten und der Aufwand sind jedenfalls enorm…“

Zwischendurch hat sie sich deshalb auch schon selbst gefragt, ob es denn tatsächlich der richtige Weg ist, so früh selbständig zu sein: „Vor allem wenn ich mir Gleichaltrige ansehe, die gerade ihr Studentenleben genießen und ihre Unabhängigkeit. Momentan arbeite ich fast durchgehend. Aber es geht sich zwischendurch immer auch ein bisschen Freizeit aus. Egal, wie viel ich gerade zu tun habe. Und die brauche ich auch.“

Für die 22-Jährige ist deshalb auch die Variante eines Coworking-Büros genau die richtige, „denn da kann ich mich mit anderen Menschen austauschen. Ich muss einfach unter Menschen sein“. Aus diesem Grund kommt es für Nina Bröll auch im ärgsten Stress nicht in Frage, ihr geliebtes Posaunenspiel im Musikverein aufzugeben. „Das ist für mich ein schöner Ausgleich, genauso wie das Reisen gemeinsam mit meinem Freund. Gerade da genieße ich es sehr, mir meine Arbeit selbst einteilen zu können – eben dann auf Reisen zu gehen, wenn auch mein Partner Urlaub hat. Ich kann als Selbständige auch Workshops besuchen, wann immer ich es als lohnend empfinde und weiter dazulernen. Alles in allem habe ich mich in meinem Beruf so richtig gefunden. Ich liebe es einfach, zu fotografieren und mich darin ständig weiterzubilden. Und das wiegt jeden Zweifel auf.“

Nina Bröll hat sich als Schwerpunkt ihrer Arbeit den sogenannten „People“-Bereich gesetzt: „Da kann ich mich als Fotografin so richtig abheben. Da reicht es nämlich nicht, eine schöne Umgebung in einem schönen Licht festzuhalten. Da geht es um Emotionen und den richtigen Augenblick, das Gefühl dafür, den EINEN Moment einzufangen. Wenn man merkt, dass die Person anfängt zu strahlen, wenn eine Emotion in den Augen sichtbar wird…“

„Broell Fotografie“; ©Nina Bröll

„Broell Fotografie“; ©Nina Bröll

Wenn Nina Bröll von dieser Seite ihrer Arbeit erzählt, dann gerät sie selbst ins Schwärmen: „Ich liebe es, wenn es mir gelingt, Details zu erkennen, die sonst die wenigsten bemerken. Ich möchte, dass sich die Menschen vor meiner Kamera schön finden, sich wohl fühlen. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Model handelt oder nicht. Das ist für mich Fotografie. Fotografie ist nicht einfach Abdrücken. Für mich ist Fotografie das Arbeiten mit Menschen, sie zu motivieren. Das Lächeln in ihren Augen zu sehen“, erklärt Nina Bröll. Und ihr eigenes Lächeln in den Augen unterstreicht jeden einzelnen Satz.

Neben Porträt-, Familien- und Hochzeitsfotos hat Nina Bröll zunehmend den Reiz von Imagebildern für Firmen erkannt. „Ich bin schon beauftragt worden, Putzfasern für ein Werbefoto emotional einzubetten. Das klingt zunächst etwas schräg“, lacht sie, „aber genau das ist die Kunst. Und das ist auch die Herausforderung, die ich liebe. Ich muss beim Kunden Emotionen wecken und ich merke immer mehr, dass hier meine Stärke liegt. Das will ich weiter ausbauen.“
Zudem möchte Nina Bröll in Zukunft vermehrt auch eigene Projekte umsetzen: „Dazu gehört etwa, dass ich gerne einmal Fotografen in England oder Amerika assistieren würde. Es interessiert mich, wie anderswo gearbeitet wird. Und ich möchte die englische Sprache lernen, um mir eine Basis für internationale Aufträge zu schaffen. Das ist ein großer Traum von mir!“

Verfasst im Februar 2019

2 Kommentare
    • Nina Bröll
      Nina Bröll sagte:

      Danke für diesen wunderbaren Beitrag!
      Es hat sehr viel Spass gemacht, euch zu fotografieren.

      Danke Philipp für deine lieben Worte.

      Liebe Grüße
      Nina

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