Veronika Sutterlüty

Kulturveranstalterin und PR-Managerin

Vor knapp einem Jahr, im Frühling 2018, hatte die Bregenzerwälderin die Idee, den Kindern in ihrer Heimatregion einen frischen, modernen und gleichzeitig altersgerechtes Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Wenige Monate später hat ihr Verein „KUNO Kinderkultur“ zur ersten Veranstaltung eingeladen. Seither steht der junge Kulturveranstalter aus Egg für Musik, Theater, Literatur, Film, Kunst und Tanz für die ganze Familie. Veronika Sutterlüty hat mit viel Engagement und einer Handvoll kreativer Köpfe ein neues Kulturformat für Kinder erschaffen, das mit einem Programm voller (teils ungewöhnlicher) Abenteuer punkten möchte.

Wir haben Veronika Sutterlüty bereits in ihrer Funktion als PR-Managerin von Köchin Milena Broger kennen und schätzen gelernt. Mittlerweile macht sie nicht nur die Pressearbeit für andere, sondern auch für ihren eigenen Verein. Veronika Sutterlüty hat sich in ihrer neuen Selbständigkeit gerade ganz bewusst mit sich selbst und ihrem Zugang zur Arbeit auseinandergesetzt: „Ich habe gemerkt, dass ich in meinen Aufgaben gerne den Rahmen, in dem ich mich bewege, ganz neu stecke“, erklärt sie im „Schwarz auf Weiß“-Interview. „Ich gehe deshalb oft bewusst naiv an eine Sache heran. Denn das birgt Chancen in sich: – Etwa dass ich gewisse Grenzen ganz natürlich ignoriere, dass ich mich nicht an alten Maßstäben messen muss, dass ich nicht von längst Dagewesenem beeinflusst bin. Das hat mich bislang immer wieder ein Stück vorwärts gebracht und mir neue und unkonventionelle Türen geöffnet.“

Titelbild außen: ©Alexandra Serra
Titelbild innen: ©Barbara Kornexl

Sommersprossig und leichtfüßig

Veronika Sutterlüty ist als jüngstes von sechs Kindern in Egg im Bregenzerwald aufgewachsen. Sie hat drei Brüder und zwei Schwestern, mit denen sie eng verbunden ist: „Meine Kindheit war geprägt von meinen Geschwistern, sie waren meine Idole, meine Vorbilder und sind heute immer noch ganz wichtige Begleiter für mich. Sie sind meine Mentoren und ganz nahen Bezugspersonen.“ Ihre Geschwister sind auch die ersten, denen Veronika ihre Konzepte schickt, wenn sie gerade wieder eine Idee für ein neues Projekt hat. „Als Kind konnten sich meine Ideen ganz frei entfalten, ich bin so richtig wild aufgewachsen: am Morgen raus aus dem Haus und erst am Abend wieder rein, wenn wir hungrig oder komplett dreckig waren oder wenn es fast schon ganz dunkel war. Sommersprossig und leichtfüßig. So war ich als kleines Mädchen. Eine wunderschöne Zeit“, schwärmt die zweifache Mama.

Gastronomin mit Informatikstudium

„Vernünftig, aber nicht unbedingt erfüllend“, so umschreibt Veronika Sutterlüty ihre erste Ausbildung in der Gastronomie. „Ich habe ein paar Jahre lang im Tourismusbetrieb gearbeitet“, erzählt sie. Und auf unsere Frage, wo sie denn überall tätig war, kommt ein augenzwinkerndes „Wo nicht?“. Im Alter von 18 Jahren ist die Bregenzerwälderin jedenfalls für ein halbes Jahr nach Paris gegangen, um dort in einem Restaurant zu arbeiten. „Diese Ausbildung hat mir mein anschließendes Studium finanziert.“ Denn Veronika Sutterlüty hatte bald darauf den Drang verspürt, sich neu zu orientieren. „Ich wollte mich weiterentwickeln. Ich war einfach immer schon ein sehr neugieriger Mensch.“

Veronika Sutterlüty hat Management und Informatik am „MCI“, dem „Management Center“ in Innsbruck studiert. „Die Wahl der Fächer war zunächst eher ein Zufall“, meint sie pragmatisch. Denn das „MCI“-Angebot für Studenten ohne Matura hatte sie überzeugt: „Ich durfte dort die Berechtigungsprüfung in den ersten zwei Semestern begleitend zum Studium machen, habe also keine Jahre verloren.“ Es sei zwar nicht gerade ihr Kindheitstraum gewesen, Informatik zu studieren, dennoch dient ihr das Studium heute als ausgezeichnete Basis: „Es war eine super Ausbildung. Wir hatten sämtliche wirtschaftlichen Fächer und angewandte Informatik, was nun super hilfreich für mich ist. Ich kann es heute jeden Tag brauchen!“

Kulturluft in Wien inhaliert

Abgeschlossen hat Veronika Sutterlüty ihr Studium dann in Wien: „Wien hat einfach besser zu mir gepasst als Innsbruck, es ist einfach noch ein Stück bunter. Und es leben so viele unterschiedliche Individuen dort. Der Kulturbereich ist natürlich ein Wahnsinn – positiv gemeint!“, lacht sie. „Kultur begegnet dir in Wien auf Schritt und Tritt, ob man will oder nicht. Es war wunderbar.“ Veronika Sutterlüty hatte bis dahin eher weniger Berührungspunkte zu Kunst und Kultur: „Das ist erst durch mein Studentenumfeld gekommen. Also eigentlich sehr spät, was ganz und gar nicht typisch ist für eine Kunstschaffende.“

Ihr abschließendes Studienpraktikum hat sie im „Haus der Musik“ in Wien absolviert und dort im Marketing- und Eventmanagementbereich gearbeitet. „Es ist ein Haus, in dem man quasi mit den feinsten Tönen dauerbeschallt wird. Herrlich.“ Nach dem Abschluss ihres Studiums hat Veronika Sutterlüty ein Praktikum an der „Bayerischen Staatsoper“ angehängt und während dieser Zeit im Sponsoringbereich mitgearbeitet. Anschließend hat sie sich um eine fixe Stelle im „Haus der Musik“ bemüht und noch knapp drei Jahre lang dort gearbeitet. „Es war ein Leben mit Menschen, die mir selbst sehr ähnlich waren. Ich hatte nur mehr Kontakt mit Personen, die studiert und dieselben Interessen hatten. Ich habe keinerlei Kontakte zu Kindern gehabt oder zu Familien und älteren Menschen.“ Und das hat Veronika Sutterlüty dann irgendwann als „fremd“ empfunden. „Fast schon als lebensfremd sogar! Ich habe jedenfalls die anderen Seiten des Lebens vermisst. Es war mir zu bequem und homogen.“

Kurz nach der Wirtschaftskrise und ohne konkrete Jobaussichten ist Veronika Sutterlüty kurzentschlossen nach Vorarlberg zurückgekehrt. „Ich wollte einfach raus aus dieser angenehmen Blase, in der ich mich befand.“

Übermütiger Arbeitsmensch

Es hat in Vorarlberg aber nicht lange gedauert, bis Veronika Sutterlüty erneut einen interessanten Job gefunden hat: „Ich bin als Produktionsleiterin ins Musiktheater Vorarlberg eingestiegen. Es war eine tolle, sehr lehrreiche Zeit für mich“, blickt sie gerne zurück. Als einzige Angestellte im Musiktheater war es ihre Aufgabe, die durchschnittlich 100 Menschen, die in die einzelnen Produktionen eingebunden waren, zu organisieren: „ Egal ob Tänzer, Musiker oder Requisite. Das ist alles bei mir zusammengelaufen. Ich musste den Überblick behalten.“

Veronika Sutterlüty mag ihre Arbeit, ihre Projekte und die Zusammenarbeit mit Menschen. „Ich habe da so etwas wie einen naiven Übermut, der mich immer wieder fest daran glauben lässt, dass ich die Fäden, die bei mir zusammen laufen, auch tatsächlich beherrsche… – Ach, ich organisiere einfach gern!“, lacht sie. „Ich koordiniere die Einzelteile, um gemeinsam etwas Großes zu schaffen. Und das haben wir beim Musiktheater gemacht. Und bei der Premiere erlebt man dann im Zusammenspiel, was jeder einzelne leistet. Das ist Gänsehaut pur. Man kennt jeden Takt, jeden Schritt und ist jede Sekunde dabei. Das sind die Momente, für die man die Arbeit so gerne macht.“

Zurück in den Bregenzerwald

Nach der Geburt ihrer beiden Töchter, die mittlerweile im Spielgruppen- und Kindergartenalter sind, hat Veronika Sutterlüty ihren Lebensmittelpunkt vom Vorarlberger Rheintal zurück in den Bregenzerwald verlagert. Heute wohnt sie wieder in ihrem Heimatort Egg. „Hier habe ich mein privates Netzwerk, das es mir erlaubt, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Ich arbeite viel von zuhause aus, meist vormittags und abends. Die Zeit dazwischen, die ich mit meinen Töchtern verbringe, sehe ich als Freizeit. Ich genieße unsere Unternehmungen und Ausflüge, unsere Zeit zuhause – das ist mein ganz privater Ausgleich.“

Umgeben von inspirierenden Menschen

Seit mittlerweile zwölf Jahren arbeitet Veronika Sutterlüty neben all ihren Kulturprojekten auch für den Bregenzer Eventbetreuer und Cateringunternehmer „evenTZ“. „Ich konnte mein Arbeitsverhältnis immer an meine aktuellen Kultur- und PR-Projekte anpassen, die ich gerade betreut habe.“ Veronika Sutterlüty begleitet beispielsweise den PR-Bereich von Köchin Milena Broger und Designerin Maiken Kloser und macht für das Vorarlberger Blechbläserensemble „Sonus Brass“ Terminplanung und Presse-Koordination.
„Ich bin umgeben von inspirierenden, kreativen Menschen“, freut sich die Kulturveranstalterin, die auch privat das Kulturleben in Vorarlberg genießt: „Ich gehe mit meinen Mädchen immer wieder einmal ins Theater und zu diversen Kinderveranstaltungen. In unserer näheren Umgebung gibt es da durchaus schöne einzelne Programmpunkte. Aber ich fand von Anfang an das kulturelle Angebot für die Kleinen einfach viel zu mager. Ich war mir sicher, dass da noch Potenzial lag…“.
Nach einem Theaterbesuch im Frühling 2018 war schließlich die Idee geboren, eine eigene Veranstaltungsreihe für Kinder und Familien ins Leben zu rufen.

KUNO Kinderkultur

KUNO; Foto @KUNO Kinderkultur

@KUNO Kinderkultur

Veronika Sutterlüty hat bald darauf bei der Gemeinde Egg und im Bekanntenkreis Menschen gefunden, die sie finanziell und ideell bei der Umsetzung ihrer Idee unterstützt haben. „Ich habe ein paar wirklich tolle Mitstreiter gefunden. Sie sind großartig und allesamt Profis in ihren Bereichen! Das war schon mal eine große Motivation, weiter zu machen. Ich habe mein Konzept zu Papier gebracht, denn wenn eine meiner Visionen erst einmal verschriftlicht ist, dann nimmt sie zumeist auch Form an. Ich schicke mein Manuskript in solchen Situation dann immer an Menschen, deren Meinung mir wichtig ist, an Menschen, von denen ich weiß, dass ich ein ehrliches Feedback bekomme.“
Im Juli 2018 ist der Verein „KUNO Kinderkultur“ offiziell gegründet worden. Den Sommer über galt es, Sponsoren zu finden.

Nicht niedlich und süß, sondern überraschend und frech

Das erste Familienkonzert, das auf dem Veranstaltungsprogramm von KUNO stand, ging am 7.Oktober 2019 über die Bühne. Und von Anfang an war klar: „Wir sind nicht die süße, niedliche Kinderkulturschiene. Bei uns wird das junge Publikum auch einmal überrascht und mit Ungewohntem konfrontiert. Es darf zum Denken anregen, Ungewöhnliches beinhalten – aber eben immer speziell für junges Publikum aufgearbeitet.“
Die Künstler und Darsteller, mit denen „KUNO“ zusammenarbeitet, stammen überwiegend aus Vorarlberg und der näheren Umgebung. „Wir wollen ambitionierte Kulturschaffende aus der Region fördern“, sagt die „KUNO“-Initiatorin und Obfrau.

Ungewöhnliche Verbindungen und Orte

Den ersten Veranstaltungen sei das Publikum jedenfalls mit viel Wohlwollen begegnet: „Vor allem Kulturinteressierte mit Kindern haben das Programm sehr begrüßt; sie schätzen es, dass es im näheren Umkreis etwas Neues gibt. Unser Ziel ist es zudem, dass auch jene Kinder, die bislang wenig mit Kultur in Berührung gekommen sind, unsere Veranstaltungen besuchen. Kultur für Kinder im Bregenzerwald als Freizeitalternative anzubieten und deren Reize aufzuzeigen – das ist unser Anliegen.“ Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, die etwa ein Überangebot in der Region befürchten. „Aber da bin ich nicht sehr empfindlich und kaum angreifbar“, winkt Veronika Sutterlüty im selben Moment ab. „Wie gesagt, ich stecke mir selbst die Grenzen immer wieder neu. Und das ist halt dann auch mal abseits der bekanten Pfade…“
Nicht nur inhaltlich setzen die Veranstalter auf Ungewöhnliches. Auch was Querverbindungen und die Wahl der Spielorte betrifft, wagt sich „KUNO“ gerne aus den Veranstaltungssälen und Ausstellungshallen heraus. Zuletzt etwa gab es eine kulturell-sportliche Begegnung im Skigebiet Schetteregg im Bregenzerwald: „Wir wollen die Menschen auch abseits der Kultureinrichtungen hellhörig machen. In Schetteregg sind Kinder in Skiunterwäsche und Skischuhen im Publikum gesessen und haben Kultur genossen. Ich liebe es, auf diese Art Brücken zu schlagen.“

KUNO streckt die Fühler aus

Derzeit sind rund zehn Veranstaltungen im Jahr geplant. Und die sollen eine schöne Bandbreite der Kulturvielfalt im Land zeigen: „Die Kinder und ihre Familien sollen die Genres Tanz, Theater, Film, Kunst, Literatur und Musik kennenlernen“, so das Ziel des Vereins. „Mittlerweile kommen auch Anfragen aus anderen Kommunen und Gemeinden, die uns ihre Säle für Veranstaltungen anbieten. Wenn es dann allerdings um eine Entlohnung geht, wird’s mitunter schwierig“, schmunzelt Veronika Sutterlüty. „Denn da bleibe ich einfach bei meiner festen Überzeugung, dass Kulturarbeit bezahlt gehört. Auch wenn die Menschen, die Kultur erschaffen, das unheimlich gern tun, ist es eine Arbeit. Und die wird entlohnt. Ganz einfach. Ich sage das auch immer wieder.“

Ob und wie sich „KUNO“ künftig ausweiten wird und sein Programm auch über den Bregenzerwald hinaus wachsen lässt, ist noch nicht im Detail ausgetüftelt. „Aber wir strecken schon ganz neugierig unsere Fühler aus“, kündigt Veronika Sutterlüty an.

Verfasst im März 2019

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